Paris - Knorrige Nase, tiefliegende Augen und Doppelnarbe über der Oberlippe: Daniel Auteuil ist das, was man einen Charakterkopf nennt. Nicht nur Frauen lieben sein Erscheinen und seine Präsenz. Auteuil gehört mit mehr als 80 Filmen zu den beliebtesten und besten Schauspielern Frankreichs. Die meisten Auszeichnungen erhielt Auteuil, der am Samstag (24. Januar) 65 Jahre alt wird, für die Darstellung komplexer und introvertierter Typen. In der Rolle des leiblichen Vaters der 1982 unter mysteriösen Umständen gestorbenen Kalinka Bamberski wird er in „Der Fall Kalinka“ zu sehen sein. Das deutsch-französische Justizdrama kommt voraussichtlich Mitte dieses Jahres in die Kinos.

Er fühle sich in der Rolle der Schwierigen sehr wohl, erklärte er in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. So zum Beispiel in „Caché“ des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. In dem Thriller spielt Auteuil einen Familienvater, der durch mysteriöse Videoaufnahmen terrorisiert wird. Seine schauspielerische Leistung wurde 2005 mit dem Europäischen Filmpreis belohnt.

Auteuil war für Haneke die ideale Besetzung. Er habe an ihn gedacht, als er das Drehbuch geschrieben habe. „Auteuil ist geheimnisvoll, schwer zu erfassen. Er ist ungreifbar“, sagte der Filmemacher in einem Interview mit der französischen Wochenzeitung „L“Express“.

Als in sich gekehrter Einzelgänger ist Auteuil auch in „Ein Herz im Winter“ (1992) zu sehen. Eine Dreiecksgeschichte, in der er den verschlossenen und zurückgezogenen Geigenbauer spielt, der sich in die wunderschöne Freundin seines extrovertierten Kollegen und Freundes verliebt. Dafür gab es den ersten Europäischen Filmpreis. Den begehrten französischen „César“ holte er sich 2000 als unglücklicher Messerwerfer in „Die Frau auf der Brücke“.

Sein Gefallen an introvertierten Rollen habe mit Claude Sautet begonnen, dem im Jahr 2000 verstorbenen Romy-Schneider-Filmemacher. Dieser habe ihn zum Leben erweckt, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte. Mit Sautet drehte Auteuil 1988 auch die Tragikomödie „Einige Tage mit mir“ um den scheinbar gefühlskalten Juniorchef einer Supermarktkette.

Zu Beginn seiner Karriere war Auteuil überwiegend in Komödien zu sehen. Ein Filmgenre, in dem er nicht weniger überzeugt. Mit „Ein Mann sieht rosa“ ist er als vermeintlich homosexueller Buchhalter im Jahr 2001 zu seinen Lacherfolgen zurückgekehrt. In Shanghai gab ihm die Jury des Internationalen Filmfestivals dafür den Preis als bester Schauspieler.

Auteuil gibt in Interviews nur wenig von sich preis. Er sei einfühlsam und sentimental, gestand er dem Wochenblatt „Paris Match“. Seine Prioritäten seien seine Kinder und eine harmonische Ehe. Auteuil ist Vater dreier Kinder aus verschiedenen Beziehungen. Auch für Frauen ist er schwer greifbar.