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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Für jede Schublade zu sperrig

05.01.2016

Jeverland Der Erste, der Einzige, der Beste – das Leben von Selcuk Cara ließe sich aus lauter Superlativen zusammensetzen. Eines jedoch kann der gefragte Opernsänger, der gleichzeitig erfolgreicher Autorenfilmer und Buchautor ist, am allerbesten: gute Geschichten erzählen. Der Sohn türkischer Einwanderer kennt viele. Und die meisten haben mit Deutschland und den Deutschen zu tun, die ihn mehr als einmal um den Schlaf gebracht haben.

erstes festes Engagement in Oldenburg

Die Autobiografie „Türke, aber trotzdem intelligent. Mein vollkommen verrücktes deutsches Leben“ von Selcuk Cara erscheint im Frühjahr im Edel Verlag (Hamburg, 14,95).

Sein erstes festes Engagement hatte Cara am Oldenburgischen Staatstheater, wo er zwei Jahre blieb. Heute lebt er mit Frau und Tochter an der Küste.

Für 2017 ist sein erster Kinofilm geplant: „Berlin–Paris-Berlin. Je suis Marlene“. Er wird gefördert mit Mitteln der nordmedia, Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen.

Infos: www.selcuk-cara.com

Im Frühjahr, zur Leipziger Buchmesse, erscheint die Autobiografie des 46-Jährigen, in der er viele dieser Geschichten zusammengefasst hat. Für seine kleine Tochter, wie er sagt. Unter einem Titel, der ein fast schon typisches Zitat aus seinem Leben ist und von einer alten Klavierlehrerin stammt, die ihn ihren Gästen vorstellte: „Er ist Türke und trotzdem intelligent“.

Deutschtümelei

„Elitäre Deutschtümelei“ ist dem Opernsänger ein Gräuel. Das Denken in Schubladen hat den Sänger, der sich vor einigen Jahren einen Lebenstraum erfüllt hat und ins Jeverland an die Küste gezogen ist, stets zum Widerspruch und Widerstand gereizt. Was an dem Ort Langen bei Frankfurt am Main gelegen haben könnte, wo er am 29. Mai 1969 geboren wurde: „Die dümmste Stadt, die sich meine Eltern hätten aussuchen können“, sagt Cara. In den 80er Jahren war Langen als Neonazi-Hochburg in Verruf geraten. „Jedes Jahr gab es einen Fackelzug zu Hitlers Geburtstag.“ Jedes Jahr unter einem anderen Vorwand.

In Langen hat er sein Abitur gemacht – als erster türkischer Junge überhaupt. Dort reifte auch sein Entschluss, Operngesang zu studieren. Aus Trotz, sagt er, denn man habe ihm entgegnet, dass ein solches Studium „nicht seinem Kulturkreis“ entspreche.

Nicht der einzige herabsetzende Kommentar, von dem Cara zu erzählen weiß, sich mehr und mehr in Rage redend: Nach der Abschlussprüfung seines Operngesangsstudiums wurde lobend hervorgehoben, dass er „als Türke die deutsche Kultur insoweit begriffen“ habe. Und vor einem Theaterengagement in Österreich musste er erst einen Sprachkurs besuchen – zusammen mit einem Neuseeländer und einer Niederländerin, die kein Wort Deutsch sprachen.

Die Auseinandersetzung mit den Deutschen, die ihn vor allem als Türken wahrnehmen, hat offenbar eine besondere Energie in ihm freigesetzt. Als wollte Selcuk Cara beweisen, dass er noch viel deutscher ist. Als Opern- und Konzertsänger mit der Stimmlage Bass – seit 2006 freischaffend und vertraut mit den großen Bühnen der Welt – wurde er der erste in Deutschland geborene, türkischstämmige Wagner-Sänger. Über den Komponisten schreibt er auch seine Doktorarbeit, was er (deutschen) Premierengästen gern unter die Nase reibt, die ihm Wagner erklären wollen.

Eine erzwungene Auszeit nach einem Bühnenunfall nutzte er für ein Filmstudium an der FH Dortmund – auf Anraten des Regisseurs Werner Schroeter (1945–2010), wie auf seiner Homepage nachzulesen ist. Namen, vor allem prominente, lässt er auch im Gespräch des Öfteren fallen.

Großen Erfolg hatte er jetzt mit einem 14-minütigen Kurzfilm. Er erhielt unter anderem das Prädikat „besonders wertvoll“ von der Deutschen Filmbewertungsstelle Wiesbaden und wurde auf internationalen Festivals gezeigt. „Mein letztes Konzert“ handelt – nicht überraschend – von einem ernsten deutschen Thema: dem Holocaust.

Antrag abgelehnt

Der kunstvoll komponierte Film, der im Offiziersheim in Bad Zwischenahn, in Oldenburg und der Bremer Glocke gedreht wurde, fand große Unterstützung von jüdischen Gemeinden, ein Antrag auf Filmförderung aber wurde abgelehnt. Man habe seine Motivation nicht verstanden, erzählt Cara, auch im Rückblick noch aufgebracht, als türkischstämmiger Deutscher, einen Film über die Shoah drehen zu wollen.

Was ihn nicht abhalten wird, das zu tun, was er am allerbesten kann: gute Geschichten erzählen. Sein erster Kinofilm ist für 2017 geplant – über Marlene Dietrich und diesmal mit Förderung.

Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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