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NWZonline.de Nachrichten Kultur

KINO: Funkenflug zum Filmfest-Finale

15.09.2007

OLDENBURG Die Abendsonne blinzelt durch die Äste, rotgold leuchtet das Land. Am Horizont türmen sich die Berge von New Mexico auf, werfen Schatten nach der Ranch der Familie Farmer. Nebenan in der Scheune brennt schon Licht: Charlie Farmer, den sie im Dorf auch den „Raketenmann“ nennen, bastelt mal wieder an seinem Raumschiff.

„Wow!“ Großvater Hal wirft den Kopf in den Nacken: Mindestens 20 Meter ragt die Rakete vor ihm auf, silbern funkelt ihr Rumpf. Charlie Farmer meint es ernst: Er ist „The Astronaut Farmer“, er will die Erde umkreisen. Draußen, im Wohnwagen, blinkt seine Bodenstation.

Auch Regisseur Michael Polish meint es ernst. Warum sollte ein ganz normaler Mann wie dieser Charlie Farmer nicht in den Weltraum fliegen wollen?, will er wissen. Also inszeniert Polish in „The Astronaut Farmer“ zunächst die Normalität: Da steht das ganz normale Farmhaus, in dem die ganz normale Familie Farmer ihr ganz normales Leben lebt und ihre ganz normalen Träume träumt. Die Farmers träumen zumeist vom Weltall: An der Wand hängen Fotografien von der Erde, Mutter Farmer backt Pfannkuchen in Planetenform, Vater Charlie reitet im Astronautenanzug durch die Wüste. Na und? Training muss eben sein.

Tiefblau strahlt der Himmel, hellrosa schimmern die Wolken, sattgrün sind die Felder der Farmers. Polish’ Farben bringen den Traum der Familie zum Leuchten, ebenso die Gesichter seiner großartigen Darsteller: Billy Bob Thornton als Charlie Farmer, Virginia Madsen als Mutter, Bruce Dern als Großvater und sogar Bruce Willis als Colonel erinnern sich immer an die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat: an die Zeit, als sie Kinder waren.

Polish wirbt also unverhohlen um Sympathie für seine Protagonisten, und natürlich schüttelt man im Kinosessel empört den Kopf, sobald die Wirklichkeit in deren Traum rempelt: wenn das FBI auf der Ranch nach Massenvernichtungswaffen sucht, weil Vater Farmer 10 000 Liter Treibstoff bestellt hat. Wenn die NASA private Weltraumflüge verbieten will, weil nur die NASA so etwas darf. Wenn die Dorf-Psychologin Charlie Farmer für verrückt erklären will, weil er eine Rakete baut. „Ich wollte doch schon beim Abschlussball mit dir zum Mond fliegen“, erinnert er sie. „Aber doch nur, weil du mich herumkriegen wolltest“, antwortet sie.

„The Astronaut Farmer“ ist poetisches Kino – altmodisch vielleicht, aber wunderschön.

„Wenn wir unsere Träume nicht mehr haben, dann haben wir gar nichts mehr“, sagt Charlie Farmer. Am Ende fliegen tüchtig die Funken, Elton John singt „Rocket-Man“, und der Zuschauer wischt sich glücklich eine Träne weg.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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