In diesen Tagen vergeht wohl keine Minute, wo Uwe Schwager (54) nicht an seinen Sohn Timm denkt. Zusammen mit zwei Freunden bringt Timm einen mit Hilfsgütern beladenen Krankenwagen nach Gambia in Westafrika. Schon seit Jahren engagiert sich Uwe Schwager für das vom Ehepaar Tautz aufgebaute Gesundheitszentrum in Gambia. Mit großer Leidenschaft koordiniert er nicht nur die Transporte mit Hilfsgütern von Ganderkesee aus, sondern setzt sich für die Menschen dort ein.

2010 finanzierte er zum Beispiel einem kleinen Jungen aus Gambia eine Operation in Deutschland. Für dieses Engagement wurde Uwe Schwager im Rahmen des NWZ -Wettbewerbs „Mensch des Jahres“ ausgezeichnet.

Dabei wurde er 1991 bei seiner Ankunft in der Gemeinde Ganderkesee nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Uwe Schwager ist in Ost-Berlin aufgewachsen. Als seine Eltern sich trennten, blieb er bei seinem Vater, während seine Schwester zur Mutter zog. Schon mit fünf Jahren kam er bei Union Berlin zum Leistungsfußball. „Neben der Schule hatten wir fünfmal in der Woche Training und samstags die Pflichtspiele. Aber es hat mir Spaß gemacht, obwohl für andere Dinge keine Zeit mehr war“, erzählt mir Uwe Schwager. Zur großen Fußballkarriere reichte es dann doch nicht, und so machte er im Automobilwerk in Zwickau eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. „Die meiste Zeit meiner Ausbildung habe ich am Band gestanden“, bemerkt er. Untergebracht war er mit Kollegen in einem Wohnheim. Da dort die Zustände alles andere als familiär waren, holte ihn sein Vater nach der Ausbildung zurück nach Berlin.

Sein Vater war Chefmaskenbildner beim DDR-Fernsehen; so vermittelte er seinem Sohn eine Ausbildung zum Kameraassistenten. Während dieser Zeit wurde er immer wieder freigestellt, um Kinder und Jugendliche im Ferienlager Roskow in Brandenburg zu betreuen.

Hier lernte er auch seine Veronika kennen. 1984 wurde Sohn Timm geboren, und im April 1985 wurde geheiratet. Während andere nach der Hochzeit die Flitterwochen genießen, wurde Uwe Schwager gleich nach der Hochzeit in die Nationale Volksarmee zum Wehrdienst eingezogen. „Das war eine schlimme Zeit. Vier Monate dauerte die Grundausbildung, und während dieser Zeit durfte ich nicht einmal nach Hause zu meiner Familie“, erzählt er.

Bei der Musterung wurde Schwager gefragt, ob er auch auf Menschen schießen würde. Da er auf dieser Frage mit einem klaren „Nein“ geantwortet hatte, wurde er nicht als Grenzposten eingeteilt, sondern machte seinen Wehrdienst  in  der Funkorterstation in Brandenburg. Die Verantwortlichen der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) in Roskow erinnerten sich an die Ferienlager mit Uwe Schwager, und so holten sie ihn zu sich.

1987 wurde Tochter Theresa geboren, und Familie Schwager wohnte in ihrem eigenem Haus. Nach dem Mauerfall 1989 verlor Uwe seine Arbeitsstelle. Und so entschloss sich die junge Familie nach Kanada auszuwandern, wie Veronikas Geschwister es schon ein Jahr zuvor gemacht hatten. Haus, Möbel, alles wurde verkauft. In Kanada angekommen, erlebten sie einen sehr strengen Winter. Nach vier Wochen hatte Uwe genug – und es ging wieder zurück nach Deutschland.

Da alles verkauft war, konnten sie zunächst bei Freunden in Roskow wohnen. Uwe fand einen Job in einer Tankstelle in Berlin-Lichterfelde. Der Besitzer meinte eines Tages: „Mach dich mit einer eigenen Tankstelle selbstständig! Du kannst das.“ Uwe Schwager gefiel die Idee. In der Gemeinde Ganderkesee stand eine Tankstelle zum Verkauf. Im Oktober 1991 verließ Familie Schwager ihre Heimat und zog in den „Goldenen Westen“ nach Hoyerswege.

„Wir haben alles, was wir hatten, in den Kauf dieser Esso-Tankstelle investiert. Nach den ersten Monaten haben wir nicht geglaubt, dass wir es schaffen. Erst im Laufe der Zeit wurden wir von den Bewohnern hier anerkannt“, erinnert sich der „Self-Made-Man“.

Durch viel Arbeit und unternehmerisches Können hat die Familie heute nicht nur eine moderne Tankstelle, sondern seit 1994 auch noch einen Anhängerverkauf und -verleih. Dazu konnten sie 2006 den benachbarten „Hof Hoyerswege“ erwerben. Während die Gastronomie verpachtet ist, leitet Ehefrau Veronika den Hotelbetrieb.

Auch in Ganderkesee ist Uwe seinem Hobby, dem Fußball, treu geblieben. Aktiv spielt er heute noch bei den Oldies des TSV Ganderkesee. Um die jungen Fußballer zu unterstützen, gründete er mit einigen weiteren Fußballfreunden des TSV Ganderkesee den „Förderverein Fußball“, dessen erster Vorsitzender er auch ist.

Uwe Schwager, Inhaber eines Anhänger-Unternehmens und Betreiber einer Tankstelle in Hoyerswege