Ganderkesee - Die ersten Skizzen fertigte Ayman Aldarwish noch in Syrien an. Viele weitere entstanden während der Flucht, vor allem in der Türkei, wo der Syrer und seine Familie auf die Möglichkeit zur Weiterreise warteten. Deshalb seien viele der Bilder im Kleinformat gezeichnet worden, sagte Ulrich Züchner, der Aldarwish und seine Familie unterstützt und begleitet. „Er hatte sie zusammengerollt.“

Karten ausverkauft

Die Ausstellung im Rathaus läuft begleitend zum Konzert mit dem syrischen Pianisten Aeham Ahmad. Die Karten für den Musikabend im Rathaus am Samstag, 11. Januar, um 17 Uhr waren bereits vor Weihnachten ausverkauft. Doch am Sonntag, 12. Januar, gibt es um 17 Uhr ein weiteres Konzert im Rathaus in Kirchhatten. Der Eintritt ist frei, aber es wird um Spenden gebeten.

Konzert und Ausstellung in Ganderkesee wurden von der Bürgerstiftung, dem Arbeitskreis Flüchtlinge, der Gemeinde Ganderkesee und der regioVHS organisiert.

Mit den meist schwarz-weißen Zeichnungen hat der 49-jährige Syrer seine Fluchterlebnisse verarbeitet. Auch seine Frau Nasim Kasem malt, ihre Arbeiten entstanden allerdings erst nach der Ankunft in Deutschland. „Die Bilder stehen unter dem Stichwort Traumaverarbeitung“, sagte Ulrich Züchner. Ein Bild, das Ayman Aldarwish besonders viel bedeutet, hat er „Boot des Todes oder des Lebens“ genannt. Doch die Arbeiten zeigen keine realen Szenen, sondern Symbole. Immer wieder sind menschliche Figuren, Fische oder Augen zu sehen. Die Symbole würden die Gedanken und Gefühle der Künstler zeigen und seien für alle verständlich, sagte Astrid Fuchs von der Bürgerstiftung Ganderkesee bei der Eröffnung. „Orient und Okzident treffen sich in den Bildern.“

Im Sommer 2015 entschlossen sich Ayman Aldarwish und Nasim Kasem zur Flucht, nachdem eine Mörsergranate ihr Haus getroffen hatte. Außerdem fürchtete Aldarwish die Verfolgung, weil er Karikaturen gezeichnet hatte. Über das Mittelmeer und die Balkanroute kam die Familie nach Deutschland. Bis Vater, Mutter und die vier Kinder eine Wohnung in Osterhagen im Südharz fanden, wohnten sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Rastede. Wie Unterstützer und Freund Ulrich Züchner erläuterte, half die Universität Göttingen bei der Organisation und Finanzierung der ersten Ausstellung. Inzwischen waren die Bilder bereits in Berlin und München zu sehen. Auch im Rathaus in Kirchhatten werden zeitgleich Bilder des Künstlerpaars gezeigt.

Die Ausstellung „Die Musik der Freiheit“ mit 25 Arbeiten von Ayman Aldarwish und Nasim Kasem ist bis Mittwoch, 5. Februar, im ersten Stock des Lichthofs zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

Antje Rickmeier
Antje Rickmeier Redaktion Ganderkesee