GANDERKESEE - Nein, Angst um das Buch hat Gustav Förster nicht. „Das Buch ist in den vergangenen Jahren schon viele schmerzhafte Tode gestorben. Und es steht so gut da, wie selten zuvor.“
Seit 25 Jahren betreibt Förster nun eine Buchhandlung in Ganderkesee. Am 1. Mai 1984 hatte er Räume in der Rathausstraße 17 gemietet, am 15. Mai eröffnet. Zwar sollten noch zwei Umzüge folgen, der Gemeinde Ganderkesee ist er aber treu geblieben.
Dabei hatte der Schiffbau-Ingenieur, für den eine Zeit der Kurzarbeit den Ausschlag zum Branchenwechsel gab, auch Wildeshausen im Blick. Da er Ganderkesee aber als aufstrebenden Ort im Landkreis erkannte, in dem zudem eine Sortimentsbuchhandlung fehlte, fiel der Schritt aus Delmenhorst nicht schwer. Dort hatte Förster erste berufliche Erfahrungen im Buchwesen gesammelt: nebenberuflich und ehrenamtlich als Mitinitiator der 1977 gegründeten Bücherstube „Album“ (Alternativer Buchmarkt). Diese Berufserfahrung honorierte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels dem Quereinsteiger mit der Vollmitgliedschaft als Sortimentsbuchhandlung.
Opas Bücherschrank
Försters erste private Erfahrungen mit Büchern reichen aber viel weiter zurück: „Aufgewachsen bin ich mit dem faszinierenden Bücherschrank meines Großvaters“, so der 61-Jährige. „Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zum Buch, mal etwas mehr, mal etwas weniger, immer aber ungetrübt.“
Dabei war der berufliche Neu-Start nicht einfach: Mit geliehenen und durch Bürgschaften von acht Freunden abgesicherten 50 000 D-Mark wurden das Geschäft seinerzeit eingerichtet und das erste Sortiment zusammengestellt.
1998 dann der erste Umzug: In den neu gestalteten Räumen von Schütte Elektrotechnik an der Grüppenbührener Straße war „Standortsicherung durch Kooperation“ das Motto: Zwei unterschiedliche Kundenkreise sollten zusammengeführt werden. Bis 2003 ging das Konzept auf, dann ging Försters Partner in Insolvenz, er selbst zum Knick.
Wein eine zweite Säule
Neben Büchern zählt seit 1999 auch Wein zu Försters Sortiment – und ist mittlerweile zu einer „tragenden Säule“ geworden. Und das seien auch seine Mitarbeiter – Schülerinnen und Studentinnen als Aushilfe und vor allen die oft langjährigen Mitarbeiterinnen.
Namhafte Autoren zu Gast
Leseförderung in Schulen und Kindergärten gehören für den 61-Jährigen seit Jahren ebenso dazu, wie Kulturarbeit. Anna Wimschneider („Herbstmilch“) gehörte ebenso zu den Autoren, die in Ganderkesee gelesen haben, wie Sally Perel („Ich war der Hitlerjunge Salomon“), Walter Kempowski („Alles umsonst“) oder Henning Scherf („Grau ist bunt“).
„E-Reader keine Gefahr“
Fortschritt, auch technischer, gehörte für Förster stets dazu – von der Umstellung von traditionellen Katalogen über die Nutzung von CD-ROMs auf Online-Recherche. Und so wird er wohl auch in Kürze schon Texte für sogenannte E-Reader anbieten. Eine wirkliche Gefahr für das gedruckt Buch sieht Gustav Förster in den elektronischen Geräten aber nicht. „Das ist vor allem etwas für Leute, die keine Bücher kaufen“, meint er. Insbesondere bei Fachliteratur könnte sich hier aber ein Markt bilden. „Einen 1000-Seiten-Roman wird aber kaum jemand elektronisch lesen“, ist sich Förster sicher.
