GANDERKESEE - Interkommunale Zusammenarbeit? Sollte es die zwischen Ganderkesee und Delmenhorst überhaupt schon mal gegeben haben, seit Freitagabend dürfte sie kein ernsthaftes Thema mehr sein. Schonungslos öffnete Schreiberling Hergen Schelling den rund 800 Büttenabendgästen die Augen – für maßloses Zubetonieren einer ahnungslosen Nachbargemeinde, für die Verschwendungssucht („In Delmenhorst kauft man sich schnell, für drei Millionen ein Hotel . . .“) und für deren Unattraktivität („. . . nun stellt sich die Erkenntnis ein, nach Delmenhorst verreist kein Schwein“). Die närrischen Gäste jedenfalls, teilten des Schreiberlings Fazit voll und ganz: „Warum soll zusammenwachsen, was zusammen nicht gehört“. Und selbst Moderator Markus Weise räumte ein, dass er – zumindest für die Faschingszeit – schon wiederholt bei Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas um Asyl nachgesucht habe – wenn

auch bisher ohne Erfolg: „Ich hoffe, irgendwann nimmt Ganderkesee mich auf.“

Das haben die Ganderkeseer Narren längst getan. Auch wenn am ersten Abend nicht jeder Witz zündete und das Mikrophon das ein ums andere Mal streikte, der „junge Parodist aus Delmenhorst“ führte schwung- und humorvoll durch ein abwechslungsreiches Programm und schreckte dabei nicht einmal davor zurück, das über allen thronende Präsidium zur Wurfbude zu erklären.

Erster Höhepunkt: der Einmarsch des Prinzenpaares. Die Frage, die das Narrenvolk bewegte, war endlich geklärt: „Aqua“ tragen die Tollitäten durch die Session. „Von Haus aus in Jeans geboren, hab’ ich heute was Edleres auserkoren“, verriet Annika I. (Drieling) den Untertanen. Für manch Besucherin bildeten die apfelgrünen Kleider der Ehrendamen zwar eine gewagte, aber nicht minder gelungene Farbkombination. Mit einem dreifachen „Ganderkesee hinein“ starteten Annika I. und Prinz Stephan I. das Showprogramm mit zur Premiere 17 Programmpunkten.

Nur an diesem Abend schwebte nämlich ein Hauch von Karneval in Rio durch die Halle, als die von der NWZ präsentierte Sambaschule Oldenburg-Eversten Einzug hielt. Die Brasilianerinnen aus Delmenhorst, Wilhelmshaven und Bremen zeigten nicht nur viel Haut, sondern legten vor allem eine flotte Samba auf die Bühne.

Mehr für flotte Sprüche bekannt ist da Bernhard Jürgens. Und der Bauer aus Twistringen machte seinem Namen alle Ehre, Erkältung hin oder her. Nur ein Beispiel: „Frauen haben bekanntlich ja zwei Gene mehr: das Fremdgehn und das Auf-den-Wecker-gehn.“