GANDERKESEE - Die Band gibt ihr Bestes. Und das kommt wohl ganz gut an: Rebecca Khoshbin und Claudia Thomann, die beiden Frauen im Büttenabend-Regieteam, wippen mit den Füßen und Gerrit Meyers Augen leuchten. Nur Dirk Wieting, der Dienstälteste und auch deshalb Gewichtigste in dem Quartett, sitzt ruhig da und nimmt konzentriert und kritisch zur Kenntnis, was die fünf Musiker von „Querbeat“ im Übungskeller von Gitarrist Thomas Fleischer vorspielen.
Dabei gefällt auch Wieting, was er da hört und sieht. Aber anmerken lassen möchte er sich das nicht. Die Gruppe soll sich bloß nicht zu früh freuen: „Wir lassen erst mal niemanden wissen, ob er beim Büttenabend dabei ist oder nicht“, erklärt Wieting eine der Grundregeln des Auswahlverfahrens, das seit Bohlens „Superstar“-Suche auch bei der Ganderkeseer Narrenshow „Casting“ genannt wird.
Das Regieteam fungiert dabei als Jury, und die gibt sich zunächst mal streng. Also verwandeln sich auch Wietings drei Mitstreiter, kaum dass „Querbeat“ das Vorspiel beendet hat, von überzeugten Sympathisanten zurück in nüchterne Juroren. „Acht-Minuten-achtundzwanzig“, stellt Rebecca Khoshbin mit Blick auf die Stoppuhr fest, und Gerrit Meyer macht den Musikern klar: „20 Sekunden drüber!“. Für den Büttenabend schon zu viel.
Denn das ist das zweite eherne Gesetz, das Wieting und sein Team eingeführt haben: Alle Aktiven müssen sich ans Zeitlimit halten – Tanzgruppen haben fünf Minuten, Musiker acht, Redner müssen nach neun Minuten fertig sein. „Wir sind auch schon veräppelt worden“, erinnert sich Wieting: „Beim Vorspielen passte die Zeit und am ersten Büttenabend war ein Lied mehr im Programm“. Dann, so der 53-Jährige, „können wir auch unangenehm werden“. Dabei legt das Regieteam ansonsten großen Wert auf Harmonie in der Ganderkeseer Faschings-Familie: „Wir versuchen, die Aktiven immer einzubinden und an unseren Entscheidungen Teil haben zu lassen“, meint Wieting. Schließlich befanden sich die Vier, die jetzt hinter der Bühne stehen, auch alle schon auf der anderen Seite des Vorhangs.
Das schließt aber Auseinandersetzungen nicht aus. „Wenn wir einer Gruppe oder einem Redner sagen müssen, dass sie nicht im Programm sind, gibt es natürlich Enttäuschungen und manchmal auch Ärger“, beschreibt der Ober-Regisseur die schwierige Gratwanderung des Regieteams zwischen dem Anspruch, ein möglichst optimales Programm auf die Beine zu stellen, und dem Wissen darum, dass dies in Ganderkesee ausschließlich mit Leuten geschieht, die dafür ohne Bezahlung ihre Freizeit opfern.
Auch die fünf Musiker von „Querbeat“ erfahren an diesem Abend natürlich nicht, ob sie beim ersten Büttenabend am Freitag, 18. Januar, auf der Bühne stehen werden. „Aber wenn nicht“, nimmt Sänger Olli Grube die Ungewissheit mit Humor, „dann spielen wir eben im Zelt am Eingang.“
