GANDERKESEE/DELMENHORST - Es ist mehr als nur eine „Anti-Diskriminierungsmaßnahme“, dass der Ganderkeseer Komponist Hans-Joachim Hespos im Rahmen der Reihe „Neue Musik in Delmenhorst“ in diesem Jahr gerade jene Instrumente erklingen lässt, die gemeinhin als träge und wenig virtuos gescholten werden. Zum 38. Mal präsentiert Hespos am Sonntag, 11. November, um 20 Uhr im Kleinen Haus zeitgenössische Kompositionen und zeigt damit eine hochaktuelle Bestandsaufnahme der Neuen Musik in Deutschland.

Hespos spricht von „Rassismus unter Musikern“. So würden etwa Bläser im Orchster von den Streichern als „Tutti-Schweine“ denunziert, die tiefen Instrumente als „Negerinstrumente“ bezeichnet und Kontrabasstubisten beim Betreten der Bühne ausgelacht. Mit dem Konzert tritt der mehrfach preisgekrönte Komponist den Gegenbeweis zu vorherrschenden Klischees an und lässt eben diese „abartigen Instrumente“ zu ihrem Recht kommen, für die er ein „großes Faible“ habe, wie er eingesteht.

Mit dem Hamburger „Trio RGB“ (Ulrich Martin, Matthias Lorenz, John Eckhardt) und dem „KONTRA-Trio“ (Madeleine Bischof, Thomas Mejer, Leo Bachmann) aus Luzern konnte Hespos mit Unterstützung der Stadt Delmenhorst, der Oldenburgischen Landschaft und des Nordwestradios zwei in der Neuen Musik namhafte Instrumental-Ensembles verpflichten.

Das „Trio RGB“, bestehend aus Viola, Violoncello und Kontrabass, präsentiert eine Improvisation und die Hespos-Komposition „prestunissimo“. Das „KONTRA-Trio“, besetzt mit Kontrabassflöte, Kontrabasssaxophon und Kontrabasstuba, spielt Hespos Werk „ilomba“ und eine Komposition von Ensemblemitglied Thomas Mejer. Alle Instrumente spielen in außergewöhnlich tiefen Lagen und kommen solistisch bzw. in kammermusikalischer Besetzung selten zum Einsatz – zu Unrecht, wie Hespos meint. So sei beispielsweise die Tuba ein „hochbewegliches Instrument“, welches im 19. Jahrhundert häufig solistisch gespielt wurde.

Gefällige Werke sind es nicht, die Hans- Joachim Hespos ausgewählt hat – jedenfalls keine, die die Massen begeistern. Aber eben jene Andersartigkeit, jene Abweichung vom bereits Gehörten ist es, die das Publikum der Delmenhorster Neuen Musik anspricht. Vom publikumswirksamen Mainstream ist Hespos meilenweit entfernt. Er wolle nicht „für alle“ komponieren, so erklärt der 69-Jährige. Die Reaktionen des Publikums zeigten ihm stets, wie offen und neugierig unsere Gesellschaft ist. Wie in den Vorjahren möchte der Komponist dem Publikum am Aufführungsabend wieder Rede und Antwort stehen.