GANDERKESEE - Den Maler Josef Beuys nennt er rheinisch „Jupp“. Und „Jupp“ spielt eine nicht unerhebliche Rolle, wenn Rainer Dietrich von seiner Zeit als „junger Bursche“ in der Düsseldorfer Kunstszene erzählt. Denn Beuys hatte Dietrich dabei geholfen, eine Bewerbungsmappe für die Aufnahme an der Essener Folkwangschule, Hochschule für Kunst, zusammen zu stellen. Da verwundert es eigentlich nicht, dass Dietrich, gebürtiger Düsseldorfer, eine Leidenschaft für die Malerei hat. Und doch hatte der 59-Jährige seit etwa 30 Jahren nicht mehr gemalt.
Zurück zur Kunst führte eine Wette mit Ehefrau Inge: An einem Dienstag um 18 Uhr sollte er wieder anfangen zu malen. Das tat Dietrich im Februar 2007. Seitdem sind etwa 20 Bilder in intensiven Acryfarben entstanden. Landschaftsmotive von der dänischen Küste, pastorale Szenen mit Rehen oder Schafen, aber auch abstraktere Bilder, wo der Fantasie viel Raum gelassen ist und wo auf den zweiten Blick schon mal das Profil eines Gesichtes hinter viel Grün auftaucht. „Das sind die kleinen Botschaften in meinen Bildern. Ich habe immer ein Thema“, sagt Dietrich. Nur heile Welt sei eher langweilig – auch wenn er Schafe durchaus mag, denn die sind „entspannende, zutrauliche Wesen“, findet er.
Nachdem Dietrich die Folkwangschule als Jahrgangsbester und Meisterschüler 1978 absolviert hatte, musste etwas Neues her. Er studierte u.a. Erwachsenenbildung. „Ich hatte mit der Kunst abgeschlossen“, sagt er. Dietrich arbeitete in der Pharmaindustrie und schließlich seit 20 Jahren als freiberuflicher Berater für Marketingstrategien.
Seit Dietrich wieder malt, hat auch Ehefrau Inge begeistert mit der Malerei begonnen, um mit ihrem Mann ein Stück Zurückgezogenheit teilen zu können. Und vielleicht auch den Blick auf die einfachen Dinge. „Schauen Sie sich mal die Farben an“, sagt Dietrich und taucht mehrere Steine nacheinander in eine große Glasschale mit Wasser. „Davon bekomme ich Ideen.“
