GANDERKESEE - GANDERKESEE - Nachgestellte Ruinen und eine zerrissene Hakenkreuzfahne bilden den Hintergrund, Dias zeigen Kriegsszenen, Originaltöne von Sirenengeheul, einschlagenden Bomben und Gewehrfeuer schaffen eine bedrohliche Atmosphäre. Davor Schüler, ganz in Schwarz gekleidet, die mit ernster Miene Texte vortragen, Trommelschläge unterstützen die Beiträge. In der Aula der Realschule Ganderkesee herrscht Totenstille.

Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes erinnerte die Realschule Ganderkesee gestern Vormittag mit einer Gedenkfeier an die Opfer des Naziregimes. Irmgard Gerken, die die Veranstaltung zusammen mit Peter Johannesdotter organisiert hatte, richtete einleitende Worte an die zuhörenden Schüler und bat, nicht zu applaudieren, sondern nur still zuzuhören. Die Feier solle daran erinnern, was damals geschehen ist, so Gerken – „damit so etwas nicht noch einmal passiert!“

Anschließend trugen die Schüler der Klasse 10b, ruhig und ohne Mikrofone, Auszüge aus Berichten, Zeitungsartikeln und Zitaten vor. Die Schüler lasen aus Briefen von der Front, schilderten Schicksale von Gefangenen in den Konzentrationslagern und berichteten auch von den Leiden der deutschen Zivilbevölkerung. Original-Ausschnitte aus Reden von Hitler und Goebbels ließen die Zuhörer – alle Realschüler konnten in zwei aufeinander folgenden Aufführungen die Beiträge verfolgen – ahnen, wie das NS-Regime die Massen manipulieren konnte.

Mit Trommelschlägen unterstrichen die Schüler des Wahlpflichtkurses Musik die Aussagen. Auch der Wahlpflichtkurs Kunst war an der Aufführung beteiligt: Er hatte die Hintergrundkulisse für die Feier entworfen.

Zum Schluss schlugen die Zehntklässler auf der Bühne den Bogen vom „großen“ Kriegsgeschehen zu den Erlebnissen vor Ort in Ganderkesee. „Die Aufmerksamkeit war voll da“, sagte Lehrerin Ruth Elsholz. Ganderkesee betreffe die Schüler persönlich, alles andere sei sehr weit weg. Mit der Frage „Wie sieht es heute in Deutschland aus?“ wurde der Bezug zur Gegenwart hergestellt. Heute gelte es, die Freiheit zu festigen, betonten die Schüler.

Der 2. Weltkrieg und die Verbrechen der NS-Zeit werden die Ganderkeseer Realschüler noch weiter beschäftigen: Heute berichtet Jona Oberski, wie er das KZ Bergen-Belsen überlebt hat.