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Geschichte Blutiger Friede bei Falkenburg?

Martin Fitzl

GANDERKESEE - Es ist das Jahr 4 nach Christus: Mit vier Legionen rückt Tiberius Julius Caesar Augustus in das Land der Chauken vor. In einem „bellum immensum“, einem gewaltigen Krieg, unterwirft er den Stamm zwischen Weser und Ems. Ein Bündnisvertrag mit dem Römischen Reich wird geschmiedet.

Es ist das Jahr 2011. Vor einer hohen Bücherwand in seinem Arbeitszimmer in Ganderkesee sitzt Hermann Speckmann und lässt die Geschichte noch einmal lebendig werden: „Irgendwo im Oldenburger Land müssen sich diese Menschenmassen getroffen haben“, sagt der 74-jährige. Denn dort hätten die Chauken hauptsächlich gesiedelt. „Wenn man drüber nachdenkt, kann es nur eine Stelle gegeben haben“, sagt der Hobbyhistoriker. Zwischen Falkenburg, Dingstede und Hurrel soll diese „Mega-Veranstaltung“ mit 28 000 Mann stattgefunden haben.

Hermann Speckmann sagt das mit einem Schmunzeln. Er weiß, dass es dafür keine historischen Beweise gibt. Hinter ihm im Regal stehen Dutzende Bücher über das Römische Reich, über Kaiser und Kriege. Die meisten historischen Unterlagen über den Krieg mit den Chauken hingegen sind längst verloren gegangen. Deshalb stützen sich Speckmanns Aussagen auf logischen Folgerungen und Vermutungen.

So wie diese: Ein Versammlungsort dieser Größe musste zentral gelegen sein, Lagermöglichkeiten für mehrere Tage bieten, auch Weiden für Reittiere und Frischwasser. Kultische Einrichtungen seien ebenfalls wichtig gewesen.

Also ist Hermann Speckmann auf Spurensuche gegangen. Und fündig geworden: So habe es in Falkenburg einen Freisessel gegeben, dessen Vorteil war, „dass der, welcher darauf saß, 24 Stunden von Inhaftierung soll fry gewesen seyn“, heißt es in den Oldenburger Blättern von 1829. Ein wichtiger kultischer Ort also. Hermann Speckmann hat tiefer gebohrt: Auch der Name Dingstede komme von dem Wort „ting“, das Versammlung hieß, Großsteingräber in der Dingsteder Heide seien weitere wichtige Kultstätten gewesen.

Der 74-Jährige erzählt lebhaft von diesen Dingen. Auch wenn er weiß, dass er nur für sich und seinen Kreis von Hobbyarchäologen und -geschichtlern schreibt.

In einem Regal über Hermann Speckmann stehen die Figuren von römischen Soldaten. Stumm und gelassen schauen sie auf die Karten, Bücher und Essay, die in dem Arbeitszimmer verteilt sind. Antworten können auch sie nicht geben. Ob Kaiser Tiberius wirklich bei Dingstede und Falkenburg mit 28 000 Mann Frieden geschlossen hat: Man wird es wohl nie genau wissen. Hermann Speckmann jedenfalls will weiterforschen: Den „Blutweg“ entlang, die Schneise, die Tiberius damals durch das Land geschnitten hat.

Tiberius Julius Caesar Augustus

(42 v. Chr. bis 37 n. Chr.) war der Adoptivsohn von Kaiser Augustus.

Kaiser

wurde der herausragende Feldherr eher widerwillig. Regiert hat er von 14 n. Chr. bis zu seinem Tode.
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