GANDERKESEE - „Wundern Sie sich nicht über die rauschigen Flötenklänge! Sie sind typisch für unsere alten Blasinstrumente – wir spielen nicht etwa unsauber!“

Wer so charmant und informativ wie Meike Herzig (Blockflöten und Portativ) den Abend mit italienischer Musik des 13. bis 18. Jahrhunderts eröffnet, gewinnt gleich die Herzen der Zuhörer. Katharina Hess (Blockflöten) und Johanna Seitz (Harfen) gesellten sich ebenso kompetent hinzu, – die drei Musikerinnen traten als „Bois de Cologne“ auf.

Bei den Werken aus dem 13. Jahrhundert aus „Codex Squarcialupi“ faszinierten vor allem die Miniaturharfe und das Portativ, ein Nachbau von 1260. Ebenso interessant wurde den Zuhörern durch Wort und Musik die Tripel-Harfe ohne Pedale erläutert, die im Zusammenspiel mit facettenreichen alten Blockflöten ein ungewöhnliches Klangerlebnis bot.

Im Frühbarock erforderten die Volks- und Tanzweisen bereits hohe Virtuosität von den Musikern, so bei der „Follia“ von Andrea Falconieri, der Sonate „La Strozza“ von Maurizio Cazzati, einer Toccata von Ascanio Mayone sowie einer Chiacona von Tarquinio Merula. Dagegen führte die Sonate F-Dur von Giuseppe Sammartini aus dem 18. Jahrhundert sozusagen leichtfüßig in die Konzertpause.

Drei Stücke aus den „Londoner Manuscripten“ und aus „Codex Faenza“ nahmen wieder die Musik des Mittelalters auf, die verblüffend heiter und virtuos daher kam. Eine weitere „Follia“, diesmal von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) mit harmonischem Bassmotiv der Harfe und variantenreichen Oberstimmen der Flöten, beendete die hochkarätigen Darbietungen. Schön die Wiederholung der spritzigen Tarantella aus dem 16. Jahrhundert (Anonymus) als Zugabe.

Interessant wäre es sicher, die Musikerinnen neben ihrer Liebe zu alter Musik auch mit ihren musikalischen Experimenten zu avantgardistisch-experimentell-synergetischen Klangkonglomeraten sowie der Verbindung zu Jazz oder Liedern von Kurt Weill zu hören.

Das nächste Rathauskonzert findet am Sonnabend, 14. Mai, um 19.30 Uhr statt.