GANDERKESEE - Welch ein musikalisches Ereignis in der nahezu vollbesetzen St. Cyprian und Cornelius-Kirche in Ganderkesee! Das Streichquintett „Ensemble Leipzig-Berlin“ mit dem Primarius Thomas Timm, dem zweiten Geiger Romano Tommasini und dem Bratschisten Wolfgang Talirz (alle drei von den Berliner Philharmonikern) sowie dem ersten Cellisten Jürnjakob Timm (Gewandhausorchester Leipzig) und dem zweiten Cellisten Andreas Timm (Konzerthausorchester Berlin) boten mit der hochvirtuosen Kreutzer-Sonate A-Dur op. 47 von Ludwig van Beethoven und dem Streichquintett C-Dur op. 163, D 956 von Franz Schubert ein anspruchsvolles Programm.

Die 1802 für Violine und Klavier komponierte Kreutzer-Sonate wurde wohl schon 1832 von einem Anonymus für Streichquintett umgeschrieben und erfüllte damit den „stilo molto concertante“. Vom zartesten Piano bis zum kräftigen Forte überzeugten die Musiker stets mit hoher Virtuosität bei Beethovens typischen Rhythmus-Verschiebungen. Applaudierte deshalb das Publikum schon vorm jagendem Presto, dessen Stretta die Zuhörer freilich wieder zu Beifall hinriss? Wer die Originalkomposition im Ohr hat, vermisste gelegentlich die Verschmelzung der unterschiedlichen Klangcharaktere von Streich- und Tasteninstrument.

Nach der Pause dann Schuberts Streichquintett C-Dur op. 163. Der erste Satz Allegro man non troppo erklang in voller Spannbreite zwischen glühend-intensiv und weich und entsagungsvoll. Der zweite Satz übertrug seine spannungsgeladene Linie beglückend. Neigte man dadurch dazu, den dritten Satz Scherzo und den vierten Satz Allegretto als heiter bzw. tänzerisch zu empfinden, wurde im Scherzo durch die geballte Klangmacht von Fortissimo und Doppelgriffen der entfesselten Streichinstrumente und erst recht durch den jenseitigen Des-Dur Mittelteil Schuberts Todesahnung deutlich. Im Allegretto löste sich im Beschwörungstaumel das Tänzerische durch den scheinbaren Sieg über dunkle Mächte auf.

Das Publikum dankte mit langem Beifall, doch eine Zugabe war nach den anspruchsvollen Werken nicht angebracht.