GANDERKESEE - Das Gewandhausquartett, das aus dem 1781 gegründeten Gewandhaus-Orchester hervorgegangen ist, existiert seit nunmehr 204 Jahren und verjüngt sich immer wieder aus den Konzertmeistern, dem Solobratscher und dem Solocellisten des Orchesters. Kein Wunder, dass das Gotteshaus in Ganderkesee gut besucht war, als diese älteste aller Streichquartettformationen spielte. Auch das sorgsam ausgewählte Programm mit Mozart, Mendelssohn Bartholdy und Schubert mag dazu beigetragen haben.

Die vier Herren begannen mit Mozarts Streichquartett KV 499. Anmutige Schönheit und abgründige Tiefe sowie lichte Transparenz und klangliche Schroffheit wechseln bei diesem Spätwerk ab; so ergeben sich faszinierende musikalische Verbindungen. Die Nähe zur Prager Symphonie (KV 504) ist bei diesem Auftragswerk für den preußischen König Friedrich Wilhelm II., der selbst Cello spielte, unverkennbar.

Dagegen entstand Mendelssohn Bartholdys Streichquartett op. 80 aus ganz persönlichen Gründen: Sein Werk ist als instrumentales Requiem für seine verstorbene Schwester zu verstehen, reflektiert das schmerzliche Empfinden über den Verlust der geliebten Fanny.

Schubert spürte wohl in der Komposition D 810 für Streichquartett auch die Nähe des Todes. Sein Lied „Der Tod und das Mädchen“ nach einem Gedicht von Matthias Claudius entstand schon 1817, die freie musikalische Paraphrase als Streichquartett erst kurz vor dem Ableben des Komponisten. Das Werk wirkt beunruhigend und doch abgeklärt durch den tief romantischen Widerstreit von Tod als düstere Bitterkeit, aber erlösend von allen Leiden.

Das Gewandhaus-Quartett vermittelte durch sein homogenes und dynamisch überzeugendes Spiel diese kompositorischen Facetten – sein virtuoses Spiel umfasste alle Bandbreiten von zart ziseliert über ausstrahlende Ruhe bis zu herbem Auflehnen und endete bei Schubert in einer sich überschlagenden Stretta. Ganz besonders faszinierten die Künstler die Zuhörer im zweiten Satz von „Der Tod und das Mädchen“, wo die Stille im Kirchenschiff fast greifbar wurde. Wenn Musiker ihre Empfindungen und die des Komponisten so übertragen können, schwebt höchste gestalterische Kunst im Raum.

Deshalb erforderte der lang anhaltende Beifall eine Zugabe: Bei Haydns Adagio aus dem Sonnenquartett op. 20 Nr. 5 brillierte der Primarius mit überaus duftigen musikalischen Girlanden, so dass die Zuhörer nochmals den Atem anhielten bis zum befreienden Applaus.