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Konzerte Mal etwas anderes servieren

Horst Hollmann

GANDERKESEE - Kaffeefahrten genießen nicht den besten Ruf. Doch wenn Thomas Albert auf Kaffeefahrt geht, kommt Nützliches heraus. „Ich kehre oft mit einem Rucksack voller Ideen zurück”, sagt der Violin-Professor und Intendant des Musikfestes Bremen. Etliche Einfälle hat er für das 22. Musikfest vom 27. August bis 17. September ausgepackt. Andere sind sichergestellt.

Sänger erste Sahne

Der Cloppenburger Landrat Hans Eveslage ist mit Albert einmal über Land gefahren. Hängen geblieben sind sie zur Kaffeezeit in Bokelesch nördlich von Elisabethfehn in der vorbildlich renovierten Johanniter-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert. „Das ist der ideale Raum für das Gesualdo-Consort”, schoss es Albert sofort in den Sinn. Folglich tritt Harry van der Kamp mit seinem berühmten Vokalensemble aus Amsterdam am 4. September zweimal im Saterland auf.

„So funktioniert Musikfest”, sagt der Intendant. Es wird nicht nur durch den prallen Akkord von Musik, Wirtschaft und Politik gestützt. Es entwickelt seinen Charakter auch über Spinnfäden durch die Region. 23 Veranstaltungen finden im Kerngebiet Bremen statt, 17 im Umland zwischen Stade, Langförden und Emden. 3,5 Millionen Euro beträgt der Aufwand, gut 22 000 Besucher werden erwartet. Musikfest funktioniert längst regelmäßig in Oldenburg. Das schulden die Bremer auch der EWE als einem ihrer verlässlichsten Förderer. Diesmal preist Albert für den 10. September in der Lambertikirche Vivaldis fetzige Oper „Il Farnace” an. In Anbetracht einer Besetzung von Weltrang kann er das vollmundig tun: „Die Sängergarde von Max Emanuel Cencic bis zu Vivica Genaux ist erste Sahne. Und das Orchester I Barocchisti zählt zu den größten Entdeckungen.“

Drei weitere Opern nehmen inmitten von zum Inventar zählenden Künstlern wie Janine Jansen, Hélène Grimaud oder Viktoria Mullova eine Sonderstellung ein: Rameaus „Castor et Pollux”, Händels „Giulio Cesare” und eine komprimierte „Zauberflöte“. Ein Klavier ersetzt das Orchester. Wer da die Nase rümpft, erfährt Verblüffendes: „Es wirkt so intim, als ob Mozart selbst am Klavier sitzt und probt. Die Nummer war in Paris 54-mal ausverkauft!“

Reichlich Wind

Renommierte Sinfonieorchester machen sich rar. Zu den Bremer Philharmonikern und der dann von ihrer Südamerika-Tournee zurückgekehrten Deutschen Kammerphilharmonie gesellen sich nur das Seoul Philharmonic und das Concertgebouw-Orchester Amsterdam. Für Albert hat das Methode: „Die großen Apparate haben sich festgefahren, von ihnen ist das Neue nicht zu erwarten.” An ihrer Stelle fächeln die freien Orchester-Vereinigungen böigen Wind herein. Jérémie Rhorers „Cercle de l’Harmonie” zeigt, wie schillernd Berlioz oder Liszt wieder sein können. Das „Orchestre Les Siècles” wirft zum Finale einen neugierigen Blick auf Dvoraks Neue-Welt-Sinfonie.

„Ein Festival hat nicht die Aufgabe, den Leuten das zu servieren, was sie sonst immer bekommen”, schiebt der Intendant nach. Wenn man sie derart anregt und nicht verwirrt, funktioniert Musikfest tatsächlich so.

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