GANDERKESEE - „Wir lesen vor“ heißt es am kommenden Donnerstag, 20. November, überall in Deutschland – auch in Ganderkesee: In Rahmen der bundesweiten Vorleseaktion kommt die Jugendbuch-Autorin Mirijam Günter in die Grundschule Dürerstraße. Ab 15 Uhr liest die Kölnerin aus verschiedenen Kinderbüchern vor.
Die Veranstaltung, die von der Ganderkeseer Initiative „Lesekiste“ und der NWZ organisiert wurde, wendet sich besonders an Kinder von der dritten bis zur fünften Klasse – „aber natürlich sind auch Erwachsene und Jugendliche herzlich eingeladen“, betont Elke Mestemacher von der „Lesekiste“. Der Eintritt zu der Lesung ist frei.
Bekannt geworden ist Mirijam Günter mit dem Roman „Heim“, in dem sie die Erlebnisse eines schwer erziehbaren Mädchens schildert. Obwohl sie selber in Heimen und Pflegefamilien groß geworden ist, legt die heute 36-jährige Autorin Wert auf die Feststellung, dass ihr Erstlingswerk kein autobiographischer Roman sei. Zwei Jahre lang bot Mirijam Günter das Manuskript Verlagen an – vergeblich. Erst als sie es 2003 beim Wettbewerb um den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis (Kibum) einreichte, kam der Erfolg: Sie gewann nicht nur den Preis, sondern auch die Anerkennung von Experten und vor allem von Jugendlichen, die in dem schonungslos geschriebenen Buch ihre eigene Sprache wiederfanden.
„Heim“ ist beim Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv) erschienen, ebenso Mirijam Günters zweiter Roman „Die Ameisensiedlung“. Darin erzählt sie von der 15-jährigen Conny, die in einer tristen Hochhaussiedlung mit ihrer alkoholkranken Mutter und ihren halbwüchsigen Geschwistern lebt. Auch dieses im Oktober 2006 erschienene Buch beschreibt das Erwachsenwerden in einem schwierigen sozialen Umfeld – ein Thema, das die Schriftstellerin in ihrer realen Lebenswelt ebenso engagiert aufgreift. So beteiligte sie sich etwa vor zwei Jahren an der öffentlichen Debatte um Gewaltätigkeiten an der Berliner Rütli-Schule. Im Gegensatz zu vielen anderen Beiträgen zeigte Günter aber Verständnis für die Wutausbrüche junger Menschen, die oft nur in Gewaltaktionen eine Chance sähen, auf sich aufmerksam zu machen.
Mit Jugendlichen, die es schwerer haben als die meisten ihrer Altersgenossen, beschäftigt sich die Schriftstellerin sich intensiv. Vor ihrer Lesung in Ganderkesee wird sie deshalb auch die Förderschule am Habbrügger Weg besuchen und mit den Schülerinnen und Schülern einen Workshop veranstalten.
Vorlese-Angebote erfreuen sich wachsender Beliebtheit
