GANDERKESEE - Der Ideengeber und Autor des Librettos, Kurt Danzer, ist ebenso gespannt, wie es die Besucher sein dürften, die am 18. Mai in der Cyprian- und Corneliuskirche dem „Jehoschua-Oratorium von der Menschwerdung“ lauschen werden. Denn auch der Pastor im Ruhestand, von 1979 bis 1987 Dozent im Lutherstift, hat die Komposition zu seinem Text von Helge Burggrabe noch nicht zu hören bekommen.
Allerdings ließ sich der Hamburger Komponist am Dienstag bereits ein wenig in die Karten schauen und erläuterte, wie er die textliche Vorgabe von Kurt Dantzer in Musik verwandelt hat. Burggrabe verspricht „neue Musik, die anhörbar ist“. Neben dem Harvestehuder Kammerchor und dem Kammerorchester L’Arco werden international bekannte Musiker wie die französische Cellistin Emmanuelle Bertrand und der Perkussionist Marek Reimann beteiligt sein. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Claus Bantzer, der auch die Musik zu Doris Dörries Film „Kirschblüten“ geschrieben hat.
Am Anfang standen bei Dantzer die fünf Vokale, die sämtlich im Wort Jehoschua (hebräisch: Jesus) enthalten sind: „I (für J) steht für Licht“, erläuterte Dantzer seine Intention. „E für gehen und Weg, O für Wohnung, U für Grund und unten, A für Aufgehen, Atem und Klang.“ Anhand von Begebenheiten aus dem Neuen Testament werden Begegnungen einzelner Menschen mit Jesus behandelt. „Dadurch finden sie zum eigenen Menschsein“, so Dantzer. 2005 habe er den Text beendet. Was folgte, war die Suche nach einem Komponisten.
In Helge Burggrabe, so ist sich Dantzer sicher, habe er den richtigen gefunden. Nicht zuletzt dessen Maria-Oratorium „Stella Maris“ (über das 3-Sat am 26. April, 22.40 Uhr einen Bericht zeigt) habe ihn darin bestätigt. Burggrabe sieht in den fünf Vokalen „eine universale Bewegung und ganz viel Weisheit“. Nach dem Maria- sei das Jehoschua-Oratorium für ihn „ein logischer Schritt“. Auch für den 34-jährigen Hamburger bleibt das Oratorium „natürlich ein sakrales Werk“. Aber nicht allein. Bewusst hat er auch diesmal „einen kleinen Bruch“ eingebaut – in „Stella Maris“ war es die Maria-Darstellerin, eine Palästinenserin aus Nazareth muslimischen Glaubens.
Diesmal ist es der Maler Ahmed Peter Kreusch. Der zum Islam konvertierte Künstler wird während des Konzerts kalligrafische Kunstwerke auf eine Glasscheibe auftragen – geschaffen aus den fünf Vokalen. Eingeladen seien somit ausdrücklich auch Menschen, die „keinen unmittelbaren Zugang zum Ritus der Kirche haben“, meint Burggrabe. Er versteht sein „Oratorium von der Menschwerdung“ nämlich auch als Beitrag zur „Annäherung zwischen den Religionen“.
