GANDERKESEE - GANDERKESEE - Ralf Grösster, Dirigent der Kantorei der Alexanderkirche Wildeshausen, ließ beim festlichen Chor- und Orgelkonzert am Sonnabend in der St. Cyprian- und Corneliuskirche keine Zweifel aufkommen, welche Chormitglieder der Alexanderkirche angehören und welche den Hertfort-Voices, dem englischen Partnerchor: Rot-schwarz die Wildeshauser, weiß-schwarz die Gäste.

Peter Elgeti begann mit einem Präludium des Niederländers Sweelinck (um 1600), auf der herrlich klingenden Arp-Schnitger-Orgel.

Die geistliche Basis der Kompositionen reihte sich nahtlos und harmonisch aneinander. Aber auch das Loblied an Frau Musica (Johannes Jeep um 1600) und das „Neue Lied“ des jungen Komponisten Rolf Schweizer ergänzten sich in ihrer erfrischenden Schnelle über die Jahrhunderte hinweg.

Der Chor sang sauber intoniert auf hohem Niveau, geleitet von seinem vorzüglichen Dirigenten. Die präzisen Einsätze, aber auch die Dynamik bei den vier Strophen von Heinrich Schütz, ließen jede Strophe andersfarbig erklingen. Besonders schön erklangen bei „Musica“ die Tenöre und beim „Neuen Lied“ die Soprane als Begleitung zu Tenor und Bass. Die zahlreichen Zuhörer dankten nach jedem Lied mit lebhaftem Beifall, obwohl es der Musik vielleicht zuträglicher wäre, wenn der Beifall erst am Schluss käme.

Der Mittelteil des Konzertabends war dem Gastchor aus England gewidmet und wurde von Peter Elgeti an der Orgel hingeleitet mit einer wohltuend langsamen Komposition von Jakob Praetorius.

Die etwa 35 Chorsänger hatten fast ausschließlich Komponisten ihres Landes ausgewählt, wobei die „Bourrée for Bach“ von Bennett Williams durch sein fröhliches „la-la-la“ für jeden Zuhörer sprachlich verständlich war und die Gäste gleich die Herzen der Zuhörer gewannen. Zur gelösten Stimmung trug die plötzlich verloren gegangene und dann wiedergefundene Stimmgabel des engagierten Dirigenten Derek Harrison bei. Dann brachten die geistlichen Gesänge wieder den nötigen Ernst, wobei „O nata Iux de lumine“ von Thomas Tallis (16.Jh.) ausgesprochen schwer zu singen war. Der Pianissimo-Schluss wurde vom Publikum mit besonders reichem Beifall belohnt. In der Dynamik stand der englische Chor dem Wildeshauser ein wenig nach, und bei „Linden Lea“ schlichen sich kleine Intonationsschwierigkeiten ein. Das tat aber dem Gesamtklang keinen Abbruch.

Den Schlussteil gestalteten beide Chöre gemeinsam. Der Mut ist zu bewundern, denn sie hatten nur vier Stunden gemeinsamer Proben. Die Werke von R. V. Williams überforderten etwas den 70-stimmigen Chor. Dafür wurden die Zuhörer mit dem kraftvollen „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Felix Mendelssohn Bartholdy voll entschädigt. Auch sind die sauber intonierten Solostimmen besonders hervorzuheben.

Fazit nach eineinhalb Stunden: Ein wunderschöner Chorabend an einem wunderschönen Herbstabend.