GANDERKESEE - Am Sonnabend gab es bereits das 27. Ganderkeseer Rathauskonzert. Gespielt wurden u.a. Werke von Mozart.
Von Itte Jacob
GANDERKESEE - Die Geburtsdaten der Komponisten erstreckten sich über eine Spannbreite von 200 Jahren. Da war es kein Wunder, dass den Besuchern des gut besuchten 27. Ganderkeseer Rathauskonzertes von klassisch bis zur amerikanischen Avantgarde ein höchst unterschiedliches Spektrum an Musik geboten wurde. Gespielt wurde es vom „Arcantrio“ J. Marc Reichow, Truike van der Poel und Susanne Heilig.Das Konzert begann – wie sollte es im Mozart-Jahr anders sein – mit eben diesem Komponisten. Reichows Transkription der „Maurerischen Trauermusik“, die Mozart für Bläser und Streicher geschrieben hatte, erklang nun mit Klarinette und Klavier. Die Klarinettistin Susanne Heilig beschwor den Kummer und die Trauer technisch und musikalisch hervorragend, einfühlsam begleitet von Reichow am Klavier. Dieser vielseitig begabte Musiker fand zu jedem Programmpunkt informative Erklärungen, wobei er sich nicht als Pianist, sondern als Clavierist bezeichnet. „Diese in Vergessenheit geratene Bezeichnung sollte wieder aufleben statt der Verballhornung des Begriffes „Pianist“, meinte er.
Erfrischend auch die Transkription des Duettes Fiordiligi-Dorabella aus „Cosi fan tutte“. Welch’ herrlicher Mezzosopran von Truike van der Poel: Er verwandelte den Lichthof des Rathauses in ein Miniatur-Opernhaus. Klarinette und Klavier ersetzten die zweite Singstimme und das Orchester.
En miniature schlossen sich „trois etudes pour piano“ von Rene Leibowitz an. Für manchen Zuhörer schwere Kost. Die „Five pieces“ verlangten dazu von der Klarinettistin Sprünge über vier Oktaven, und der Clavierist entlockte dem Klavier expressionistische Klänge wie gefrorene Tränen.
Impressionistisch dagegen Claude Debussy. Bei ihm steigen immer Bilder von verträumten Landschaften mit Seen auf. Diesmal war kompositorisch sogar das Gequake von Fröschen dabei. J. Marc Reichow ließ als idealer Begleiter zu den „Trois Chansons“ und einem Auftragswerk für Clarinette und Piano der Sängerin und der Klarinettistin den Vortritt, ohne dabei musikalisch in den Hintergrund zu treten. Ausgezeichnet!
Nach der Pause dann eine weitere Überraschung für die Ohren: Reichows „Leuchtende Nachtwolken“ für Stimme und Klavier. Wer hätte geahnt, dass man die Erläuterung über leuchtende Nachtwolken aus Mayers Enzyklopädischem Lexikon dem Zuhörer lyrisch so nahe bringen kann. Ein gelungenes Werk eines jungen Komponisten – allerdings nicht jedermanns Geschmack.
Ubrigens: Truike van der Poel sang in vier Sprachen: französisch, italienisch, ungarisch und hebräisch – eine sprachliche Glanzleistung ihrer bezaubernden Stimme! Das ungewöhnliche Programm des „Arcantrios“ war jedoch ein Wagnis für Ganderkesee. Die Reaktionen reichten von Unverständnis über aufmerksames Interesse bis hin zu der Feststellung: „Das war das Beste, was uns hier bisher geboten wurde!“
