GANDERKESEE - Viel Ungewöhnliches an diesem 50. Rathauskonzert am Sonnabend! Von den acht im Programm angekündigten Interpreten des Bläser-Ensembles Prisma, das aus der Jungen Deutschen Philharmonie hervorgegangen ist, waren gerade mal zwei Musiker „authentisch“. Die anderen sechs Mitspieler hüteten derweil als Mama oder Papa die reichlich eingetroffenen Babys zu Hause und übten sich im Pianissimo-Versuch der kleinen Schreihälse.

Umso bemerkenswerter, dass das Oktett mit den eingesprungenen Musikern so homogen zusammenspielte: Da merkt man die Professionalität! Die Kontrabassistin Solveig Friedrich unterstützte souverän die zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte.

Ungewöhnlich war auch der Besucherandrang! Die Programmhefte und Stühle reichten kaum aus für die gut 140 Zuhörer! Vielleicht lag es auch an dem 12. Geburtstag dieser 1999 ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe, die nicht mehr aus dem Ganderkeseer Musikleben wegzudenken ist.

Das junge Oktett eröffnete den Harmoniemusik-Abend mit dem Rondino Es-Dur, WoO 25 von Ludwig van Beethoven. Die folgenden Ausschnitte aus „La Clemenza di Tito“, KV 621, von Wolfgang Amadeus Mozart waren einem Arrangement von Andreas N. Tarkmann (geboren 1956) zu verdanken. Durch ihn und sechs Bläser kamen die Zuhörer in den Genuss einiger Arien in fantasievoller Wiedergabe von getragen über heiter-lieblich bis zur eindrucksvollen Stretta.

Wurden die Besucher schon davon animiert, so erhöhte sich die gute Stimmung noch mit der gefälligen Partita in F-Dur, op.57 von Franz Krommer, einem Zeitgenossen Mozarts. Selten, dass ein Menuett so presto, dafür aber der vierte Satz „alla polacca“ so freundlich-zopfig daherkommt. Reines Spiel- und Hörvergnügen!

Die Serenade c-moll KV 388 von Mozart bildete den Abschluss, wobei die acht Bläser und die Kontrabassistin besonders intensiv die kompositorisch vorgegebenen Abphrasierungen auskosteten. Das war Mozart in bester Interpretation.

Die letzte Ungewöhnlichkeit war die Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte als Zugabe: Herrlich die Koloratursopran-Oboe! Wie bemerkte doch Claude Debussy schon seinerzeit: Opern sind sehr schön, nur der Gesang stört!