Ganderkesee - Der alte Staubsauger gibt keinen Mucks von sich, dabei hat Uli Brandt das Innenleben des Gerätes schon eine Weile durchleuchtet, hier und da geschraubt und getestet. Schließlich schlägt der Rentner, der von Berufs wegen mit Elektroinstallation bestens vertraut ist, den Korpus zweimal kräftig auf die Tischplatte und – der Motor läuft. Er dröhnt zwar wie eine Sirene, kann aber wieder verwendet werden.
Manchmal hilft eben auch ein bisschen Gewalt bei der Reparatur, in der Regel sind aber Forschergeist und Tüftelqualitäten gefragt bei den Experten, die sich beim ersten Repair-Café in Ganderkesee der defekten Geräte annehmen, die von den Besuchern mitgebracht wurden. Ab und zu hilft indes gar nichts mehr, so wie bei den beiden Akku-Bohrmaschinen, die Ganderkesees Klimaschutzmanager Lars Gremlowski bei Gerhard Lüllmann abgegeben hat. Der pensionierte Fachlehrer für Elektronik kann auf die Schnelle nichts machen, will die Geräte aber zuhause noch mal genauer untersuchen.
Uli Brandt, Gerhard Lüllmann und mehr als ein Dutzend weitere freiwillige Helfer haben sich für die Premiere des Repair-Cafés am Dienstag im Werkraum des Förderzentrums am Habbrügger Weg bereitgestellt, um ihre handwerklichen Fähigkeiten einzubringen. So wie auch Matthias Brüggemann, der in Delmenhorst eine Firma für Maler- und Tapezierarbeiten führt. Jetzt stellt er sich und seine Klebepistole ehrenamtlich zur Verfügung, um heilzumachen, was kaputt gegangen ist. Einer Besucherin aus Ganderkesee hat er schon geholfen: An ihrem Regenschirm ist der Knauf abgebrochen, der nun in einem Klebebett ruht. „24 Stunden so stehen lassen, dann hält das wieder“, sagt Brüggemann. Das will die Dame gern beherzigen. „Zum Wegwerfen ist der Schirm zu schade“, erklärt sie.
Und genau darum geht es im Repair-Café, das künftig an jedem zweiten Dienstag im Monat von 17 bis gegen 19 Uhr im Förderzentrum stattfinden soll : Geräte und Dinge, die zu reparieren sind, müssen nicht neu gekauft werden. Das spart Energie und Wege, trägt also zum Klimaschutz bei. Ganderkesees Klimaschutzmanager Lars Gremlowski ist daher kein bisschen traurig, dass seine Bohrmaschinen nicht wieder funktionieren, sondern im Gegenteil sehr froh, weil das neue Angebot so gut angenommen wird.
Auch Anna-Lena Sauer strahlt: Die Projektmanagerin des Landkreises Oldenburg hat in Ganderkesee jetzt das zweite Repair-Café mit auf den Weg gebracht, das erste läuft schon in Huntlosen und das nächste startet im Februar in Wildeshausen. „Jetzt muss es sich nur noch weiter herumsprechen“, hofft Sauer, obwohl sie mit fast 50 Besuchern bei der Premiere in Ganderkesee schon „super zufrieden“ ist.
Das sieht Norbert Klüh genauso: Der Lehrer aus der Schulleitung des Förderzentrums gehört ebenfalls zum Organisationsteam und steht Helfern wie Besuchern im Werkraum mit Rat und Tat zur Seite. Wenn ein spezieller Schraubenzieher oder sonst ein Hilfsmittel gebraucht wird: Klüh weiß, wo es zu finden ist. Und er ist begeistert von der Fachsimpelei und der Schrauber-Mentalität, die sich im Schul-Werkraum breit macht. Dass dessen reichhaltige Ausstattung mehrfach gelobt wird, freut den Lehrer besonders. Auch das ist ein Beweis für Nachhaltigkeit.
