GANDERKESEE - Er sei einmal bei einer Diskussionsveranstaltung als „Zeitzeuge der 68er-Bewegung“ vorgestellt worden – und da sei er sich schon sehr alt vorgekommen, gestand Konstantin Wecker ein, als er am Montagvormittag mit Zehntklässlern der Hauptschule Ganderkesee ins Gespräch kam. Der 61-Jährige war von Kerstin van Dyken, Sonja Steinhaus und Inge Giesen eingeladen worden. Die drei Lehrerinnen hatten Wecker und seinen musikalischen Begleiter Johannes Barnikel während eines Konzertes in Oldenburg kennen gelernt.

Die 68er-Bewegung habe trotz so mancher negativen Begleiterscheinung und schwerwiegender Fehlentwicklungen viel erreicht. „Ein schwuler Bürgermeister in Berlin wäre ohne sie nicht denkbar.“ Wecker mahnte die Jugendlichen zum toleranten Umgang untereinander und mit fremden Menschen. Die gelinge langfristig aber nur dann, wenn man seine eigenen Positionen regelmäßig überprüfe. „Zum Leben gehören Irrwege. Nehmt eure Fehler freudig an“, sagte Wecker.

Zu den Irrwegen in seinem eigenen Leben gehört die intensive Bekanntschaft mit Drogen. Er habe 20 Jahre lang Kokain konsumiert, trotz der eingängigen Warnungen seiner Mutter, bekannte der Liedermacher, der Ende 1995 wegen Drogenkonsums in Untersuchungshaft gelandet war. „Die Verhaftung war mein Glück. Für mich ging es ums Überleben“, sagte Wecker. „Ich hatte mich immer stark und überlegen gefühlt, auch als ich zum Schluss Crack geraucht habe. Das war ein Irrtum. Mit der ersten Pfeife beginnt der Verfall.“

Mit seiner Vorgeschichte wolle er sich nicht zum „moralischen Mahner der Nation“ aufschwingen, sagte der gebürtige Münchener. Er könne nur all jene, die Drogen ausprobieren wollen, darauf hinweisen, dass er an der Sucht „um ein Haar krepiert“ wäre.

Wecker appellierte an die jungen Menschen, wachsam zu sein, sich nicht durch seichte Unterhaltung einlullen oder gar von Neonazis einfangen zu lassen. Zusammen mit seinem musikalischen Partner Jo Barnickel trug Wecker dann noch das Titelstück seiner nächsten Tournee vor, die im Oktober beginnt. Der Text zu „Was keiner wagt“ stammt von einem 80-jährigen Pfarrer aus Frankfurt.

Lehrerin Kerstin van Dyken war von dem Auftritt, der durch Unterstützung der Gemeinde und der LzO möglich geworden war, mehr als begeistert. Nun soll es noch eine Nachbereitung geben.