GANDERKESEE - Die Tür des lichtdurchfluteten Raumes unter dem Dach des Gemeindehauses der St. Cyprian-und-Cornelius-Kirche steht weit offen. Ulrike Kleen hat sich in ihrem Büro eingerichtet. Seit 1. März ist die 38-jährige Wardenburgerin das neue Gesicht der Schwangerschaftsberatungsstelle „Frauen beraten – Donum Vitae“.
Die Ganderkeseer Außenstelle des Wildeshauser Vereins wurde zuvor von Elfi Kleine-Möllhoff betreut, die Mitte 2007 aus gesundheitlichen Gründen die Beratung aufgeben musste. Lange gab es keine Nachfolgerin. Während der ersten Wochen in Ganderkesee galt es für Kleen zunächst einmal, „Vernetzungsarbeit“ zu leisten, sich zum Beispiel bei den Frauenärzten vor Ort vorzustellen. „Präsenz ist ganz wichtig“, sagt sie. Die Frauen sollen wissen, dass die Beratungsstelle am Ring 14 wieder regelmäßig jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr geöffnet ist.
„Donum Vitae“, Träger von bundesweit 90 Beratungs- und 50 Außenstellen, wurde 1999 nach dem Ausstieg der katholischen Bischöfe aus dem gesetzlichen Beratungssystem gegründet, um das katholische Element in der Schwangerschaftskonfliktberatung zu erhalten.
„Ich vertrete schon die christlichen Werte“, sagt Ulrike Kleen bestimmt. Dazu gehören für sie allem voran die Menschenwürde – und natürlich der Schutz des ungeborenen Lebens. Kleen, selbst konfessionslos, ist Diplom-Sozialpädagogin und war bisher als Sozialarbeiterin im Bereich der Kinder- und Jugendhilfen tätig. „Die Methodik ist ähnlich“, sagt sie über ihren neuen Job. „Es geht darum, Menschen in Notsituationen zu helfen.“ Das bedeutet, bei einer Konfliktberatung der Frau Zeit und Raum zu geben, beide Situationen gedanklich durchzuspielen: das Leben mit und ohne Kind. Gibt es Ressourcen in der Familie? Wo hat die Frau Eigenkräfte?
„Wir nehmen die Frauen in ihrem Loyalitätskonflikt ernst“, erzählt Kleen. „Sie brauchen jemanden, der sich ihre Geschichte wertneutral anhört.“ Das hat Kleen seit März in zehn Fällen getan. Die Beratung sei immer ergebnisoffen, betont sie. Etwa die Hälfte der Frauen, die zu ihr kommen, sind noch unentschlossen. „Die Frau soll aus ihrem Bauch heraus entscheiden“. Den Beratungsschein gibt es in jedem Fall.
„Donum Vitae“ betreut Frauen auch nach einer Abtreibung und bietet bei Fragen zu Schwangerschaft, Geburt oder Partnerschaft Unterstützung an. Dabei wird Kleen dann manchmal „nur sozialarbeiterisch“ aktiv und berät rund ums Kindergeld, lotst durch den Behördendschungel oder hilft bei Sprachbarrieren.
„Viele junge Familien sind auf Hilfen angewiesen, fühlen sich allein gelassen“, das stellt sie immer wieder fest. Kleens Anliegen ist es, für sie Perspektiven zu entwickeln. Sie zeige Empathie, sagt die Mutter von drei kleinen Kindern. „Ich weiß, dass die Vielzahl von kleinen Problemen manchmal zu einem großen Problem werden kann.“
