Oldenburg - 100 Quadratmeter im 1. Stock eines Bürohauses in der Rosenstraße/Ecke Bahnhofstraße. Plakate an den Fenstern versperren den Blick auf die schräg gegenüberliegende Kulturetage. Auf engstem Raum reiht sich Schreibtisch an Schreibtisch. Hier entsteht die 23. Ausgabe des Internationalen Filmfests Oldenburg. „Das Auge des Sturms“, nennt Festival-Chef Torsten Neumann die Filmfest-Schaltzentrale.
Mittendrin ist Timea Levai Majin. Die 28-jährige Serbin gehört erstmals dem 14-köpfigen Organisationsteam an, das während des am 14. September beginnenden Festivals auf bis zu 50 Helfer anwachsen wird. Ihre Hauptaufgabe ist die Gästebetreuung – sie muss dafür sorgen, dass die Anreise der eingeladenen Filmemacher und Schauspieler klappt, übernimmt Buchungen, kümmert sich um Transfers vom Flughafen nach Oldenburg und organisiert die Unterbringung in Hotels. „Der Job ist stressig, macht aber Riesen-Spaß. Jeder Tag ist anders“, sagt Timea, die in ähnlicher Funktion schon fürs Filmfestival in ihrer Heimatstadt Belgrad gearbeitet hat.
MULTIMEDIA-REPORTAGE: „Being Torsten Neumann – Ein Jahr im Kopf des Oldenburger Filmfests“
Dort hat Neumann sie kennengelernt, als er als Juror nach Belgrad eingeladen war – und gleich angeworben: „Sie musste dort wegen der chaotischen Festival-Organisation einiges ausbaden“, schmunzelt der Oldenburger Filmfest-Leiter, dem selber eine gewisse Neigung zum Chaos nachgesagt wird. „Sie hat das großartig gemacht. Solche Leute können einen retten“, weiß Neumann.
Hundertprozentig verlassen kann er sich auch auf Irina Dragojevic – sie kommt ebenfalls aus Serbien. Die 26-Jährige kümmert sich vorrangig um das Koproduktionsmeeting „Linking the North“, das beim Filmfest skandinavische und niedersächsische Filmemacher zusammenbringt. Darüber hinaus geht sie überall dort zur Hand, wo Unterstützung gefragt ist: „Jeder hilft dem anderen, wir haben hier eine familiäre Atmosphäre.“
Wer nur das tut, was man ihm sagt, ist in Neumanns Team fehl am Platze: „Jeder muss selbstständig arbeiten können.“ Irina freut sich, dass sie Vorschläge einbringen und Verantwortung übernehmen darf. Über ihren Chef ist sie voll des Lobes: „Torsten hat die einzigartige Fähigkeit, Potenziale zu erkennen und zu heben. Er gibt allen das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein.“
Die Serbin gehört zum dritten Mal zum Team: „Es ist eine tolle Erfahrung, hier mitzumachen.“ Sie lerne jedes Mal eine Menge dazu – außer Deutsch: „Die Sprache ist schwierig“, findet Irina. Sie könne nur ein paar Wörter, „ein bisschen“. Macht aber nichts, weil im international besetzten Filmfest-Büro sowieso Englisch Amtssprache Nummer eins ist.
Irina ist obendrein mit Filmproduktionen bestens vertraut – sie ist studierte Kamerafrau und hat auch am diesjährigen Filmfest-Trailer mitgewirkt. Als Tochter des renommierten serbischen Regisseurs Srdjan Dragojevic ist die gebürtige Belgraderin in Los Angeles aufgewachsen. Dort hat sie auch Schauspielerin Deborah Unger, Torsten Neumanns Lebenspartnerin, kennengelernt. Ihre Lieblingsstadt ist Berlin, und doch ist sie Oldenburgs Charme mit kurzen Wegen und intensiven Begegnungen mit Festivalgästen erlegen: „Ich habe mich in dieses Festival verliebt.“
Mit großer Leidenschaft arbeitet auch Weronika Specht fürs Festival. Die 22-Jährige aus Vechta studiert in Lingen Kommunikationsmanagement. Auf der Suche nach einem Praktikum für die vorlesungsfreie Zeit landete sie 2014 in der Filmfest-Presseabteilung – in diesem Jahr ist sie erstmals Neumanns Assistentin.
Bei ihr laufen alle Termin-Fäden zusammen, sie hat sämtliche Deadlines für Druckerzeugnisse vom Programmheft bis zur NWZ-Filmfestbeilage im Blick. Sie weiß genau, wer wann mit welchen Informationen versorgt werden muss, formuliert Pressemitteilungen, ist in die Programmplanung involviert und behält auch in der heißen Phase einen kühlen Kopf. Da müssen dann „vier Stunden Schlaf“ pro Nacht reichen. „Ich geh’ in diesem Job voll auf“, sagt „Wero“, „ich will, dass ,mein’ Filmfest so gut wie möglich wird.“
Wenn alles überstanden ist, freut sie sich auf die interne Party nach der Abschlussgala am 18. September. Denn nach dem letzten Abspann herrschen verkehrte Rollen. Dann sind es die Festival-Macher, die feiern dürfen. Und die Gäste, für die sie sich in den vorherigen Tagen aufgeopfert haben, bedienen das Festivalteam und mixen die Drinks. „Eine schöne Tradition“, freut sich Weronika Specht.
