Ohmstede - „Gartenbauverein Ohmstede“ – irgendwie klingt das nach Kleingartenverein, hat damit allerdings nicht wirklich etwas zu tun, betont Helmut Hahn (70), Kassenwart der Vereinigung, die in diesem Jahr seit 75 Jahren besteht. Eigentlich ein Grund zum Feiern, doch halten sich die Festivitäten in einem bescheidenen Rahmen, ergänzt Vorsitzende Anke Meyer (73).

Vielleicht auch, weil sich hinter dem Namen „Gartenbauverein“ mittlerweile eine Reisevereinigung verbirgt, die vier Mal im Jahr unterwegs ist, um Ziele in der näheren und weiteren Umgebung Oldenburgs zu erkunden.

Das war in den Gründungsjahren grundsätzlich anders. Die reine Not war es, die die Ohmsteder 1941 bewog, sich in einem Gartenbauverein zusammenzuschließen. So kamen die Gartenbesitzer mitten im tobenden Zweiten Weltkrieg günstig an Sämereien und Pflanzgut in größeren Mengen heran. Genossenschaften, wo die Gartenbesitzer einzeln einkaufen konnten, gab es damals noch nicht, erzählt Meyer.

Der Vorteil der Mitgliedschaft im Gartenbauverein sprach sich schnell herum in Ohmstede und der Verein wuchs. Gründungsvater war Johann Duis, der als Lehrer in Tungeln gearbeitet hatte, und sich nun als 71-Jähriger im Ruhestand der Gartenarbeit widmete. Durchaus mit einem ernsten Hintergrund – die Versorgungslage mit Lebensmitteln wurde im Verlauf des Krieges zunehmend schlechter, viele Menschen versorgten sich deshalb mit selbst angebauten Produkten aus dem heimischen Garten.

Die Gründungsgaststätte des Vereins, die Gaststätte Denker, wurde bald zu klein für die Versammlungen und so zog der Gartenbauverein in den Dorfkrug Ohmstede. Nach Kriegsende war der Verein auf 250 Mitglieder angewachsen. Große Mengen Saatgut wurden geliefert, die waggonweise am Ohmsteder Bahnhof entladen wurden. Der befand sich dort, wo die Elsflether Straße die ehemalige Bahnlinie nach Brake kreuzte. Als Wäger arbeitete Carl Siebels auf dem Bahnhof, er war dafür verantwortlich, die Lieferung an die Auftraggeber zu verteilen.

Nach Kriegsende änderten sich im Lauf der Jahre die Ziele des Vereins. Saatgut war auch im Handel verfügbar, und der Dachverband der 130 angeschlossenen Obst- und Gartenbauvereine verlagerte den Schwerpunkt der Arbeit auf die Fortbildung seiner Mitglieder, die sich fortan über das richtige Düngen und die Schädlingsbekämpfung informieren konnten. „Das war nicht wirklich attraktiv und auch die Zahl der Nutzgärten ging deutlich zurück“, berichtet Hahn.

Heute sind Gärten im Gartenbauverein Ohmstede kein Thema mehr. Dem „Reiseclub“ gehören aber immer noch über 160 Mitglieder an, denen die Kontaktpflege und die Ausflüge wichtig sind, freut sich Anke Meyer. Die Fahrten führen ins Sauerland, nach Ostdeutschland oder nach Bayern, Tagesfahrten zu Zielen in der Region.

Am 1. Advent geht’s zur Feier des Jubiläums nach Friedeburg zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier. Dort wird dann auch die 40-seitige Chronik vorgestellt, in der die Vereinsgeschichte mit Text und Bildern wiedergibt. Vereinslokal war über Jahrzehnte hinweg der Müggenkrug an der Elsflether Straße, doch nach einem Besitzerwechsel ist der Etzhorner Krug der Treffpunkt für die Versammlungen. Auch das ein Beleg dafür, dass aus dem Ohmsteder Gartenbauverein ein Reiseverein geworden ist.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg