Ofenerfeld/Ofenerdiek - Plattdeutsches Theater muss nicht nur Boulevard sein. Dass auch ernste Themen Grundlage einer plattdeutschen Aufführung sein können, stellten am Wochenende die Spieler des „Platt’n’Studio 14+“ der August-Hinrichs-Bühne (AHB) eindrucksvoll unter Beweis. Die 14- bis 18-Jährigen präsentierten am Sonnabend und Sonntag im Heinrich-Kunst-Haus in Ofenerfeld das Stück „Upwaken“, entstanden auf der Grundlage von Frank Wedekinds „Frühlingserwachen“.

Die gut einstündige Aufführung stellte Sequenzen von Alltagsproblemen Jugendlicher dar. Liebe und Eifersucht, Intrigen, Alkohol und andere Rauschmittel sowie Einsamkeit und unverstanden Bleiben bildeten eine explosive Mischung, die mit einer Flucht in den Tod endete. „Worüm sünd wi up de Eer?“, fragten sich die Charaktere und verloren sich im Gefühlschaos des Erwachsenwerdens. Gegensätze prallten aufeinander; immer wieder tiefe Traurigkeit, mit der keiner richtig umgehen konnte.

Die Darsteller Neele Rowold, Sinem Bingöl, Friederike Ische, Jendrick Ische, Nico Thomsen, Jan-Hendrick von Minden, Thorge Cramer und Björn Müller agierten absolut überzeugend. Sie hauchten den verschiedenen Charaktere Leben ein. Nicht nur die leider recht wenigen jugendlichen Besucher zeigten sich betroffen, auch die Erwachsenen erlebten recht drastisch die Welt der Jugendlichen.

Erarbeitet wurde das Theaterstück „Upwaken“ von den Jugendlichen unter der Leitung von Dzenet Hodza. „Wir haben die Texte erst auf Hochdeutsch formuliert und dann ins Niederdeutsche übersetzt, unterstützt von Karin Haan“, erklärte der 18-jährige Nico, der bereits seit sechs Jahren dem „Platt’n’Studio“ angehört. „Wir haben das Stück gelesen, es hat uns gefallen, und im letzten Jahr haben wir es gespielt“, so der 16-jährige Thorge, der ebenfalls seit sechs Jahren plattdeutsches Theater spielt. Beide hatten nicht allzu große Schwierigkeiten, den plattdeutschen Text zu erlernen, da sie als Schüler in ihren Schulen an einer Plattdeutsch-AG teilgenommen hatten.

„Die Darsteller waren toll. Ich hoffe, dass sie im Herbst mit ihrem neuen Stück, das sie jetzt einstudieren, hier wieder zu Gast sein werden“, sagte Theo Gerdes vom Verein Begegnungsstätte Heinrich Kunst.