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Kultur Gebäude bis zum Giebel voll Geschichte

Neustadtgödens - Drei glückliche Fügungen machen es möglich, dass die Synagoge Neustadtgödens als eine der wenigen erhaltenen jüdischen Gotteshäuser in der Region nun wieder für Besucher geöffnet wird: Die Initiative des Kreistags sowie die Bemühungen der Gemeinde Sande, die Synagoge in Neustadtgödens als Teil des kulturhistorischen Rundgangs wieder zu öffnen, sowie das Konzept der Erinnerungsorte, die in Zusammenhang mit dem Unrecht und der politischen Willkür des NS-Regimes stehen. Die Synagoge in Neustadtgödens ist einer dieser Orte.

Erstmals geöffnet ist dieser Erinnerungsort zu seiner Einweihung am Donnerstag, 9. Juli, um 17 Uhr, berichtete Professor Dr. Antje Sander vom Zweckverband Schlossmuseum Jever am Dienstag in Neustadtgödens. Weitere Führungen und Besichtigungen folgen zunächst am Sonnabend und Sonntag, 11. und 12. Juli, von 14 bis 18 Uhr.

Bis 1986 Feuerwehrhaus

Die 1852 erbaute Synagoge ist ein Gebäude voller Geschichte. Es war rund 85 Jahre lang Gotteshaus, dann – noch bevor der Nazi-Mob in der Pogromnacht von 1938 das Haus anstecken konnte – war das Bethaus bereits seit 1936 entwidmet. Ein ortsansässiger Privatmann hatte es erworben und nutzte die einstige Synagoge, um darin Farben und Lacke zu lagern. Diesem Umstand ist es vermutlich zu verdanken, dass die Synagoge in der Pogromnacht nicht angesteckt und niedergebrannt wurde. Nach dem Weltkrieg wurde die Synagoge zum Wohn- und 1962 zum Feuerwehrhaus umgebaut. Ab 1986 diente das Haus als Galerie. Heute befindet sich das einstige Gotteshaus in Privatbesitz. Das Obergeschoss wird als Ferienwohnung genutzt.

Im Mittelpunkt der Präsentation als Erinnerungsort steht die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Neustadtgödens und ihrer Synagoge vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Deportation und Ermordung der letzten jüdischen Einwohner von Neustadtgödens 1941/42.

Geschichte zeigen

Die Öffnung der Synagoge knüpft Sander zufolge an die Ausstellungen über jüdische Nachbarn und jüdische Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg an. Die Sonderausstellungen waren 2013 und 2014 in Neustadtgödens im Museum im Landrichterhaus zu sehen.

Sandes Bürgermeister Stephan Eiklenborg lobte die Initiative, die Synagoge zu öffnen, gerade auch mit Blick auf die rechtspopulistischen Tendenzen im Land. Geschichte sei niemals abgeschlossen, so Eiklenborg. Und nur wer die Geschichte kenne, könne platten Stammtischparolen mit Wissen begegnen.

Auch für Stephan Horschitz, der für den Zweckverband Schlossmuseum Jever das Landrichterhaus betreut und die dortigen Ausstellungen konzipiert, ist die Einweihung der Synagoge als Erinnerungsort in Zeiten von Pegida und rechtem Mob ein Symbol: „Wir verstecken uns nicht. Wir haben eine jüdische Geschichte in Neustadtgödens, und die zeigen wir auch.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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