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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gebrochene Seele im Rollstuhl

12.11.2012

Bremen Janáceks Opern bilden einen einzigartigen musikalischen Kosmos, unverwechselbar in seiner Tonsprache, die der nationalen Volksmusik verpflichtet ist und doch eine Brücke zur Moderne schlägt. Unter Janáceks Werken haben „Das schlaue Füchslein“ und „Jenufa“ sicher die größte Popularität erlangt. Die 1926 uraufgeführte, sprödere und im musikalischen Duktus härtere Oper „Die Sache Makropulos“ hatte jetzt im Bremer Theater eine erfolgreiche Premiere. In Oldenburg wurde das Werk 2003 gespielt, damals mit Marcia Parks.

Maximum an Intensität

Hauptfigur ist die gefeierte Sängerin Emilia Marty, die, wie sich in einer Art Krimi herausstellt, bereits 1585 als Elina Makropulos geboren wurde und somit schon über 300 Jahre alt ist. Ihr Vater hatte an ihr ein Lebenselixier ausprobiert, das ein so langes Leben ermöglicht. Aber nun schwinden die Kräfte, und Emila/Elina muss das Rezept finden, um ihre Lebenskraft zu erneuern.

Die Inszenierung von Anna-Sophie Mahler erwies sich als äußerst gelungen. Mit minimaler Bühnenausstattung (wenige Versatzstücke reichten da völlig aus) erreichte sie ein Maximum an Intensität – ein spannendes Kammerspiel mit ausgefeilter, dichter Personenführung. Dass die Regisseurin ihr Konzept kurz vor der Premiere noch ändern musste, weil sich Patricia Andress, die Sängerin der Emilia, bei einem Sturz verletzt hatte und nur im Rollstuhl agieren konnte, erwies sich dabei fast als Gewinn.

Packende Leistung

Denn Emilia, ein blonder Vamp in knallrotem Lackmantel, wurde dadurch sofort als „Außenseiterin“ gekennzeichnet. Der Rollstuhl stand nicht für ein körperliches Gebrechen, sondern als Metapher für eine gebrochene verhärmte Seele. Und wenn Emilia Marty am Ende plötzlich als uralte, an der Flasche hängende Frau auf die Bühne rollt, erzeugt das einen Effekt nach bester Hitchcock-Art.

Die komplizierten Fäden der Handlung und die Charaktere der vor Gier nach Emilia geifernden Männer konnte die Regisseurin gut verdeutlichen, wobei die deutsche Sprache ein großer Vorteil war (in einer neuen Übersetzung durch die berühmte Mezzosopranistin Sona Cervená und Christof Bitter).

Patricia Andress gestaltete die Partie der Emilia mit reicher vokaler Substanz. Kalten Zynismus, seelische Qualen oder spöttische Verachtung – alle Facetten spielte sie überzeugend aus. Der anspruchsvolle, mit großer Intensität gestaltete Schluss-Monolog geriet zu einem Höhepunkt.

Daneben konnte das Ensemble mit einer durchweg packenden Leistung überzeugen, darunter Heiko Börner mit heldisch und expressiv geführtem, nur in der Höhe etwas angestrengtem Tenor (Albert Gregor), Martin Kronthaler mit noblem Bariton (Jaroslav Prus), Loren Lang als geschäftiger Rechtsanwalt, Christian-Andreas Engelhardt als dessen Gehilfe und Hyojong Kim als dümmlicher Janek. Ein überraschendes Wiedersehen gab es mit Mihai Zamfir als skurril-debilem Grafen.

Clemens Heil, der neue 1. Kapellmeister, lotete mit den Bremer Philharmonikern die Feinheiten der Partitur ebenso fesselnd wie die großen klanglichen Aufschwünge aus – eine mitreißende Wiedergabe.


Alle Theaterkritiken der NWZ  unter   www.nwzonline.de/theater 
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