Schortens - Als der „Verein Schortenser Bürger“ im Dezember 1916 in Grahlmanns Wirtshaus in Ostiem gegründet worden war, da hieß er noch „Verein Schortenser Bürger“, war eine reine Männerveranstaltung und bereits der dritte Bürgerverein in der damaligen Gemeinde Schortens. Und er war dann zwei Jahre später bei den Gemeinderatswahlen derjenige Verein, der in Gesine Koch die erste Frau in den Gemeinderat brachte. Erst wenige Monate zuvor war in Deutschland das allgemeine aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Kraft getreten.

An die Entstehung, die Anfangsjahre und die weitere Entwicklung des Vereins, der erst 1952 in „Verein der Gemeindebürger Ostiem“ umbenannt worden war, erinnerte Vorsitzender Richard Janßen am Samstagnachmittag bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsbestehen im Bürgerhaus Schortens.

Zu den Gratulanten zählten neben den befreundeten Bürgervereinen aus Sillenstede, Schortens, Grafschaft und der Nachbarstadt Jever auch Abordnungen der Feuerwehr Schortens und des Schützenvereins Schortens, der eine Woche zuvor an gleicher Stelle sein 225-jähriges Bestehen feierte. Auch Bürgermeister Gerhard Böhling, seine Stellvertreterin Anne Bödecker und zahlreiche Ratsvertreter überbrachten Glückwünsche und feierten mit. Das musikalische Geburtstagsständchen stimmte das Akkordeonorchester Schortens an.

Der Bürgerverein zählt heute 210 Mitglieder und ist nach einem Mitgliederhoch von 350 Mitte der 1970er Jahre zahlenmäßig etwa wieder auf dem Niveau der Anfangsdekade angelangt. Allerdings liege das Durchschnittsalter heute bei 74 Jahren, so Janßen.

Der Festakt zum 100-Jährigen wurde entsprechend als „großer, gemütlicher Seniorengeburtstag“ mit großer Kaffee- und Kuchentafel und viel Gelegenheiten zum Klönen gefeiert. Alben und Stellwände mit alten Dokumenten und Fotos aus dem Vereinsleben waren dicht umlagert und zauberten bei vielen Mitgliedern ein Schmunzeln ins Gesicht, wenn sie sich irgendwo wiederentdeckten.

Der Verein der Gemeindebürger Ostiem versteht sich nach wie vor als Bürgerverein, der sich besonders für die Belange vor Ort einsetzt – so gab es beispielsweise auch in Ostiem kürzlich ein kurze Diskussion um eine mögliche Umbenennung eines Teilstücks der Plaggestraße, nachdem dieses durch den Neubau der K 95 (Nordfrostring) auf Wunsch der Ostiemer abgebunden zur Sackgasse geworden war.

Der Verein hält sich aus parteipolitischen Debatten heraus, pflegt aber den „kurzen Draht“ zur Verwaltung, weist auf Missstände im Ort Ostiem hin und stellt ansonsten das Miteinander und die Geselligkeit innerhalb des Vereins und innerhalb der Stadt obenan.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever