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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Gedanken geraten ins Schleudern

01.03.2010

BREMEN Sind das tatsächlich Schillers Räuber? Eine Horde Punks protestiert da im Theater am Goetheplatz: „Ich lehne grundsätzlich dieses politische System ab!“, ruft einer – und die anderen ergänzen im Chor: „Demokratie ist mir nicht anarchistisch genug!“

Dieses lautstarke Protesttheater organisierte Regisseur Volker Lösch mit einem Ensemble, das zum Großteil aus jungen Akteuren besteht. So wurde die Premiere zu einem spektakulären Ereignis.

Drehbarer Trichter

Lösch hat Schillers Stück (von 1782) mit heutigen Äußerungen von jungen Bremern aus der linken Szene ergänzt. Und tatsächlich passt diese Mischung zusammen. Denn auch bei Schiller wütet eine Radikalisierung im Denken, die von Lösch ins Heutige weiterentwickelt wird. Lautstark, grob und unmissverständlich geht es vor allem im ersten Teil zu.

Schillers Figuren werden hier auch bildlich in den Hintergrund gedrängt. Der hektisch hibbelige Franz (Michael Pietsch) schafft es kaum, sich durch den Vorhang zu wühlen. „Hau ab, Arsch!“, blaffen ihn die Punks an, die sich vorne an der Rampe breit gemacht haben und schubsen die Theaterkanaille zurück. Es herrscht Kampf zu jeder Sekunde.

Vater Moor (der herausragende Sigfried W. Maschek) spricht plötzlich Sätze, die aus dem Mund des Alt-68ers Robert Bücking stammen. Ein arrivierter Alt-Linker steht hier nun einer gewaltbereiten Jugendbewegung gegenüber.

Zum spektakulären Charakter der Inszenierung trägt vor allem der riesige drehbare Trichter bei, den Cary Gayler als Räuberhöhle entworfen hat. Eine irreale Welt ohne oben und unten. Gedanken kommen hier ebenso ins Schleudern wie die Räuber selbst, die hier als Bonbon-Rote-Arme-Fraktion herumeiern. Reiche Leute im Wald „abknallen“? Das ist hier wohl eine Kinderfantasie.

Sven Fricke als Karl ballert sich da per Maschinengewehr seinen Weg; er ist ein böses Kind, ein träumender Radikalinski. Den verhassten Vater muss er gleich fünfmal erschießen, weil dessen realpolitische Argumente einfach nicht totzukriegen sind.

Messerstecherei

Dass sich der rundweg überreizte Franz Moor hier auch unter einiger sexueller Spannung befindet, wird fast schon zur komischen Nummer. Amalia (Marie-Kristien Heger) kann sich dem nur mit einiger Messerstecherei erwehren. Zum Schluss spricht Franz glasklar den Abschiedsbrief des Amokläufers von Emsdetten.

Vom scharfen klassenkämpferische Ton der Inszenierung zeigte sich zur Premiere so mancher Zuschauer merklich angegriffen. Doch sehenswert ist der Abend allemal – eben weil er gut gemacht ist und weil er zur Diskussion anregt.

Karten: 0421/36 53 333

Alle Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater

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