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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gefühle hinter dicker Sonnenbrille versteckt

18.04.2016

Wilhelmshaven Sie ist jung, hübsch und weiß ihre Reize einsetzen. Die Rede ist von Holly Golightly, Truman Capotes (1924–1984) Protagonistin in seiner Novelle „Frühstück bei Tiffany“. Der Landesbühnenregisseurin Anne Spaeter ist jetzt im Stadttheater Wilhelmshaven eine gefühlvolle Inszenierung des Klassikers gelungen.

Holly ist ein Partygirl. Im New York des Jahres 1943 schläft sie, wenn andere arbeiten, und feiert nachts rauschende Partys. Alkohol und Zigaretten gehören zu ihr wie der knallrote Lippenstift und die große Sonnenbrille, hinter der sie wunderbar ihre Gefühle verstecken kann. Nur ihrem Nachbarn Fred, einem mittelloser Schriftsteller, öffnet sie sich ein wenig und zeigt ihre Verletzlichkeit. Denn eigentlich ist die junge mondäne Frau nur auf der Suche nach Sicherheit und ihrem Platz im Leben.

Geld ist in ihren Augen überlebenswichtig. So fasziniert sie mit ihrer leichten und spritzigen Art besonders die älteren, gut betuchten Männer, die ihr schon mal 50 Dollar für die Damentoilette zustecken. Sie führt ein Leben, mit dem Fred nicht wirklich viel anfangen kann. Ob sie diese Männer liebe, fragt er sie. „Man kann sich dazu bringen, jeden zu lieben“, antwortet sie leichthin.

Regisseurin Anne Spaeter hält sich eng an die Romanfassung. Der beliebte Film von Blake Edwards aus dem Jahr 1961 mit Audrey Hepburn als Holly geht ihr nicht tief genug und wird in ihren Augen auf eine Liebesgeschichte zwischen Holly und Fred reduziert. Die Regisseurin hat vor allem Hollys innere Getriebenheit herausgearbeitet. Damit gewinnt die Inszenierung gelegentlich einen melancholischen Charakter, verleiht der Hauptfigur mehr Tiefe. Mit Swing-Musik versetzt Spaeter das Publikum ins Amerika der Vierziger Jahre und ruft mal eine melancholische, mal eine fröhliche Atmosphäre hervor.

Mit Sarah Horak in der Hauptrolle ist Anne Spaeter ein Glücksgriff gelungen. Horak zeigt sowohl Hollys kokette, naiv vor sich hin plappernde Art, als auch ihre verletzliche Seite auf wunderbare Weise. Und wieder einmal kann sie mit ihren gesanglichen Fertigkeiten begeistern. Besonders mit ihrem Spielpartner Robert Lang als Fred macht es dem Zuschauer Spaß, ihrem Duett zuzuhören.

Sven Brormann sticht als heimlich verliebter Barmann Joe Bell hervor, genauso wie Christoph Sommer als Hollys Liebhaber O.J. Berman. Aida-Ira El-Eslambouly mimt wunderbar überzeichnet Hollys extrovertierte Freundin Mag Wildwood. Auch Vasilios Zavrakis (José), Ben Knop (Mr. Yunioshi) und Helmut Rühl (Doc Golightly) bereichern die Produktion. Das Bühnenbild von Gabriele Neubauer begeistert mit Liebe zum Detail.


Alle NWZ -Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 

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