Wangerooge - Schon lange schreibt Ute Schenck-Schneider Gedichte – wenn sie sich über etwas aufregt oder wenn ihr etwas Kummer bereitet. „Durch das Schreiben nehmen nicht nur meine Gefühle im Gedicht Form an, sondern auch in mir formiert sich etwas“, erklärt sie. Nun hat die 69-Jährige einige Insel-Gedichte in einem Buch gesammelt. „Inselkleinod“ hat sie es getauft – und ein kleines Schmuckstück ist ihr Werk allemal.
Ursprünglich stammt Ute Schenck-Schneider aus Wetzlar, lebte dann in Wiesbaden und seit neun Jahren auf Wangerooge. „Die drei Ws“, so sagt sie. „Wer weiß, vielleicht geht es irgendwann für mich noch mal nach Wien“, erzählt sie lächelnd. „Ich lasse mich von meiner Zukunft und meinem Leben überraschen“.
Nach einer Ausbildung zur Kindergärtnerin, studierte sie Medizin und hatte ab dem Jahr 1985 für 20 Jahre lang eine eigene Praxis in Wiesbaden. Berufsbegleitend hatte die Allgemeinmedizinerin sich dann auf den Bereich Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Traumatherapie spezialisiert.
Im Jahr 2005 kam sie dann nach Wangerooge und arbeitete dort im Mutter-Kind-Kurheim – es zog sie irgendwie ans Meer, sagt sie. Durch ihre Arbeit hat Ute Schenck-Schneider nicht nur anderen Menschen sehr geholfen, sondern auch sich selbst.
„Ich habe während meines Lebens irgendwie immer mehr zu mir selbst gefunden“, erzählt sie.
Nun ist Schenck-Schneider eigentlich in Rente, doch sie bleibt weiterhin aktiv und hält beispielsweise Vorträge unter dem Motto „Mensch, erkenne dich selbst!“
In ihren Insel-Gedichten hält Ute Schenck-Schneider eigene Beobachtungen fest: über Menschen und das Leben, wie es spielt mit seinen Höhen und Tiefen – wie Ebbe und Flut. Das Meer spielt für sie eine besondere Rolle. „Ich habe oft gemerkt, dass sich viele Menschen hier am Meer besser fühlen – es geht etwas in ihnen auf“, erzählt sie. „Man kann so viel vom Meer profitieren.“
Und deshalb schickte sie ihre Patienten früher auch immer wieder an den Strand, um am Wasser spazieren zu gehen, es zu beobachten oder es sogar anzuschreien und einmal „alles rauszulassen“. Dabei fiel der Therapeutin auf, dass viele ihrer Patienten dann das, was sie auf der Insel und ganz besonders am Meer erlebten, aufschreiben wollten. Sie hatten das Bedürfnis etwas mit nach Hause zu nehmen.
Deshalb spricht das Buch „Inselkleinod“ schon zu Beginn den Leser direkt an, fordert ihn auf, selbst aktiv zu werden. „Auf den letzten Seiten findet man Platz für eigene Gedichte, Gedanken oder Bilder“, erklärt Schenck-Schneider. Ihr ist wichtig, dass der Leser dadurch eine kleine Vorratskammer für zu Hause hat, damit es ihm auch dort weiterhin gut geht.
Einen Verleger hat Ute Schenck-Schneider für ihr Buch bisher nicht gefunden. Doch am Sonntag, 14. September, wird sie um 20 Uhr im Oberdeck auf Wangerooge eine öffentliche Lesung abhalten und ihr kleines Insel-Schmuckstück vorstellen.
