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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Literatur: Gegen den Wahnsinn des Kriegs

02.03.2016

Hamburg Wegen des großen Interesses an dem im Nachlass entdeckten Roman „Der Überläufer“ von Siegfried Lenz (1926–2014) hat der Verlag Hoffmann und Campe den Verkaufsstart vorgezogen. Die Startauflage von 50 000 Exemplaren werde seit Wochenbeginn an den Buchhandel ausgeliefert, sagt Verlagssprecherin Julia Strack in Hamburg. Ursprünglich sollte das Buch am 10. März erscheinen.

Lenz hatte den Roman über den Irrsinn des Krieges und einen Wehrmachtssoldaten, der zur Roten Armee desertiert, bereits 1951 fertiggestellt. Damals wollte Hoffmann und Campe den Roman aus Sorge vor der politischen Stimmung im Kalten Krieg nicht drucken. In einem Brief des Verlags an Lenz aus dem Jahre 1952 heißt es: „Ich halte es für äußerst gefährlich, den Roman im bisherigen Zustande zu publizieren. Er würde, was seine ,Gesinnung’ betrifft, scharf unter die Lupe genommen werden.“

Lenz hielt das Manuskript bis zu seinem Tod unter Verschluss. Der Roman sei 2015 in den persönlichen Unterlagen entdeckt worden, die Lenz ein halbes Jahr vor seinem Tod dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach versprochen hatte, berichtet Günter Berg, Chef der Lenz-Stiftung in Hamburg.

Die Romanhandlung: Im letzten Kriegssommer 1944 kommt der Soldat Walter Proska aus Lyck in Masuren – Lenz’ realer Geburtsort – vom Heimaturlaub wieder an die Ostfront. Der Zug wird gesprengt, Proska überlebt. Er kommt zu einer Einheit in den Sümpfen von Rokitno, die vom Süden Weißrusslands bis in den Nordwesten der Ukraine reichen. Die von der Front abgeschnittene Einheit überwacht eine Bahnstrecke, ein verlorener Posten. Immer wieder Partisanenüberfälle. Todesängste. Schließlich desertieren Proska und ein Kamerad. Dessen Argument: „Wer kontrolliert denn die Werte der Welt? Du, du allein.“

Lenz selber hatte kurz vor Kriegsende 1945 in den Wäldern Dänemarks sich als Soldat davongemacht. Auf die Frage, ob die Veröffentlichung des Romans eine späte Wiedergutmachung für eine frühere Fehlentscheidung des Verlags sei, sagt Verleger Daniel Kampa: „Durchaus, wobei der Verlag Lenz für das nicht erschienene Manuskript die damals stattliche Summe von 950 Mark zahlte, die es dem jungen Autor ermöglichte, sich einem neuen Roman zu widmen.“

„Der Überläufer“ sei ein Frühwerk, das bereits Meisterwerke wie den humorvollen Erzählband „So zärtlich war Suleyken“ und den Roman „Deutschstunde“ thematisch vorwegnehme. Was ist aus dem Nachlass noch zu erwarten? „Einen weiteren unveröffentlichten Roman gibt es leider nicht, aber es ist möglich, dass unveröffentlichte Erzählungen auftauchen“, so Kampa.


Einmal zum Kaffeeklatsch bei Siegfried Lenz in Hamburg:   www.bit.ly/siegfried-lenz 
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