Bremen - Auf den Stühlen in der Bremer Glocke lässt es sich fest sitzen. Beim Konzert von Janine Jansen mit der Academy of St. Martin in the Fields ist das beruhigend. Zu leicht könnte es Hörer im ausverkauften Saal vom Hocker reißen, wenn die Geigerin Leises und Leisestes auf ihrer Stradivari schweben lässt. Wer kann schon, ohne etwas zu verhuschen, mit so feinen Abtönungen im Pianissimo-Bereich kurz vor der Stille so tief zum Durchatmen zwingen?
In der von jungen Frauen besetzten Geigen-Weltspitze mag das ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal sein. Es hebt die Holländerin von einer Julia Fischer, Hilary Hahn oder Beiba Skride ab. Ihr Ton ist nicht von großem Volumen, aber von großer Reinheit, fähig zu Charakterwechseln auf engstem Raum.
Wie fest sie sich über jeden Personalstil hinaus im orchestralen Gebilde eingebettet sieht, zeigt sie nicht nur, wenn sie bei der Academy in Mozarts Sinfonie D-Dur KV 16 und in Bartoks Streicher-Divertimento zusätzlich die Konzertmeister-Position einnimmt. Sie denkt im weiten Spannungsbogen, statt in nur schönen Abschnitten. Mit diesem Orchester ist das auch die reine Freude. Die Londoner Musiker verbinden höchste technische Finesse mit freiem Fluss der Gedanken, phrasieren vollkommen ungezwungen und breiten dazu Farben aus, dass es eine Pracht ist.
Doch die beiden Mozart-Violinkonzerte Nr. 2 D-Dur KV 211 und Nr. 5. A-Dur KV 219 lassen auch Schatten über dieses 4. Meisterkonzert huschen. Im ausgereiften A-Dur- Werk hemmt Jansens Nachdruck, ihr aufhaltendes Hinterfragen einzelner Noten und Passagen, den Fluss. Sicher, man darf nicht flach über Mozart hinwegspielen, aber seine Natürlichkeit verträgt auch keine Schminke. Und das biedere D-Dur-Werk ist dann doch ein Mozart-Konzert zu viel. Bleiben die frühe Sinfonie des Achtjährigen und der weise Bartok von 1938.
Da stimmt das Maß zwischen Eleganz und Gewichtigkeit. Da ziehen im Divertimento die abrupten Abstürze von Spiel- und Lebensfreude in düstere Ahnungen und Ängste in den Bann. Wie gut, dass man sicher sitzt.
