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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Plattdeutsch: Geisel auf dem Sofa ersetzt das Haustier

14.02.2017

Oldenburg Was muss das für ein Mensch sein, der andere entführt? Das fragt sich Herr Meier, der gerade den Geschichts- und Geografielehrer Schulz entführt und auf dem Sofa seiner ordentlich aufgeräumten Wohnung platziert hat. Herr Meier (Herwig Dust gestisch und mimisch in Bestform) macht sich ohnehin viele Gedanken über die Welt im Großen und Kleinen – einzig und allein, um nicht brägen­klöterig zu werden.

Die niederdeutsche Erstaufführung der Farce „Meier Müller Schulz oder nienich wedder eensam“ von Marc Becker, der auch Regie führte, ist reich an absurden und irrwitzigen Szenen. Das Premierenpublikum im ausverkauften Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters dankte am Sonntagabend mit lang anhaltendem Applaus für einen überaus amüsanten Theaterabend, der das Thema Einsamkeit aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge hat Meiers aufdringliche Nachbarin Frau Müller (Rita Martens ist urkomisch und große Klasse). Sie wundert sich zunächst doch ein wenig über Herrn Schulz (Jakob Dalin erweist sich als Bereicherung für die August-Hinrichs-Bühne), der mit Augenbinde und in Handschellen auf Meiers Sofa hockt. Doch dann findet sie eine Geisel auch ganz praktisch – wenn sie denn die Qualität wie Schulz hat. Eine Geisel als Haustierersatz – eine Marktlücke tut sich auf.

Die Dialoge zwischen Meier, Müller und Schulz sind pointenreich und von allerbester Qualität. Der Theaterbesucher hat nach zwei Stunden garantiert ein paar Lachfalten mehr, aber auch reichlich Stoff zum Nachdenken darüber, wie es um unsere Gesellschaft bestellt ist.

Unvergleichlich, wie Dust und Martens ins Leere starren, wenn sie über die Absonderlichkeiten des Lebens sinnieren und zu keinem Ergebnis kommen. Köstlich, wie Dust über Käsesorten in Kombination mit einer Salatgurke philosophiert, um gleich darauf mit Dalin über den Sinn des Lebens, über Ursache und Wirkung von Handlungen zu diskutieren.

Meier, Müller und Schulz sind drei einsame Menschen. Müller bittet Meier, ihren Verlobten zu spielen, damit ihre Eltern glauben, bei ihr sei alles normal. Den Dauerverlobten Schulz quälen Selbstzweifel. Meier schlägt sein grauer Alltag zunehmend aufs Gemüt.

Das absurde Spiel erreicht seinen Höhepunkt, als die Mustergeisel Schulz den Spieß umdreht und sich weigert, Meiers Wohnung zu verlassen. Dem Geiselnehmer droht die Situation über den Kopf zu wachsen, es fällt ein Schuss – und alles wird gut. Im wabernden Nebel deutet sich eine Zeit der Zärtlichkeiten an. Wunderbar.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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