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Gemeinschaft statt Protest

Vor einigen Tagen habe ich in dieser Zeitung einen Bericht über den Bürgerverein Hohenböken gelesen. Ein Satz lautete: „Der Bürgerverein hat viel geleistet“. Ein aktiver Verein hat in der Regel auch engagierte Vorstandsmitglieder. Daher wollte ich gerne einmal den Vorsitzenden des Bürgervereins Hohenböken näher kennenlernen.

Hans-Joachim Wallenhorst ist 1954 geboren und im gleichnamigen Ort Wallenhorst (bei Osnabrück) aufgewachsen. Seine Eltern waren berufstätig. Der kleine Hans-Joachim musste sich oft alleine beschäftigen. Mit den Nachbarskindern im Wald zu spielen war das Größte für ihn. „Ich bin quasi im Wald aufgewachsen“, erzählt Hans-Joachim Wallenhorst mir.

Zur Schule ist Hans-Joachim immer sehr gerne gegangen. Zunächst in der Grundschule in Wallenhorst und dann aufs Gymnasium in Osnabrück. Das Carolinum hatte eine sehr erfolgreiche Ruderriege im Osnabrücker Schüler-Ruderverein. Unter anderem stammte der langjährige Trainer des Deutschlandachters, Ralf Holtmeyer, aus diesem Verein. Auch Hans-Joachim Wallenhorst ruderte während seiner Schulzeit auf hohem Leistungsniveau. So konnten sie im „Achter“ und auch im „Vierer“ einige deutsche Schülermeisterschäften gewinnen und waren auch bei mehreren internationalen Einsätzen erfolgreich.

Sie mussten nicht nur hart trainieren. Mehr noch: sie sammelten Altpapier und verkauften es anschließend, um sich überhaupt ein Boot leisten zu können. „Leiden beim Hochleistungssport nicht die schulischen Leistungen?“, wollte ich wissen. „Nein, wenn man körperlich fit ist, fällt das Lernen leichter“, bekomme ich zur Antwort.

1972 machte Hans-Joachim Wallenhorst sein Abitur. Sein ursprünglicher Berufswunsch war Ingenieur. Nach dem Abitur hatte er es sich doch anders überlegt und studierte in Marburg Deutsch und Sozialkunde auf Lehramt. Während der Studienzeit in Marburg absolvierte er auch noch seinen Zivildienst (15 Monate) in einer Jugendherberge. Nach der bestandenen Zwischenprüfung war ihm nach einer Veränderung zumute und so setzte er sein Studium in Berlin fort.

Von Osnabrück über Marburg in die Weltstadt Berlin: „Das war schon eine ganz andere Welt! Zum einen das viel größere kulturelle Angebot dort und dann die damalige Inselsituation in Berlin“, berichtet Hans-Joachim Wallenhorst. An eine Situation erinnert er sich noch genau. Mit Freunden wollte er mit einem Schlauchboot in die DDR fahren und sich auf einem der Seen vergnügen. An der Grenze wurden sie stundenlang festgehalten. Letztendlich konnten sie wieder gehen, aber das Schlauchboot wurde einbehalten. Begründung: Mit diesem Boot könnten sie einem Bürger der DDR die Flucht ermöglichen!

Nach dem Examen bewarb sich Hans-Joachim Wallenhorst zunächst vergeblich auf eine Stelle als Referendar. Um die Zeit zu überbrücken, verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Fahrer und Bauschlosser. Nach einem Jahr Wartezeit klappte es mit einem Referendariat an einem Gymnasium in Bremen. Nach weiteren zwei Jahren war er ausgebildeter Gymnasiallehrer. Was aber fehlte bei der damaligen „Lehrerschwemme“, war eine Anstellung. So wurde ihm als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ein hochinteressantes Projekt vorgeschlagen: mit einem Kollegen sollte er beim SV Werder Bremen ein Vereinsarchiv aufbauen und zum 90. Geburtstag des Vereins ein Buch erstellen. Zwei Jahre arbeitete er an diesem Projekt. Das Ergebnis war das Buch „Neunzig Jahre SV Werder (1899-1989)“, ein umfassendes Nachschlagewerk mit 430 Seiten.

In dieser Zeit kam er mit vielen Verantwortlichen und Fußballern des SV Werder in Kontakt. „Wie war unser „Otto“ (Rehagel)?“, wollte ich gerne wissen. „Sehr nett, aber unnahbar“, erzählt er mir. Beeindruckt war Hans-Joachim dagegen von Thomas Schaaf (damals noch aktiver Spieler). „Der hat mich durch seinen trockenen Humor begeistert!“

Zum 100-jährigen Bestehen des SV Werder organisierte Wallenhorst eine Ausstellung im Focke-Museum und arbeitete an einem weiteren Buch über den Traditionsclub mit. Noch heute betreut er das „Wuseum“, das Museum des SV Werder Bremen im Weser-Stadion.

Gerade als das Buch des SV Werder Bremen erschienen war, bekam er eine Anstellung als Dozent beim Aus-und Fortbildungszentrum für den Öffentlichen Dienst in Bremen. Sein Schwerpunkt ist damals wie heute die Computerausbildung. „Wie sind Sie dann nach Hohenböken gekommen?“, frage ich meinen Gesprächspartner. Das Haus gehört zur Familie seiner Ehefrau Angelika (geb. Oelrichs), die er während des Studiums in Berlin kennengelernt hatte. Seit 1990 wohnen Angelika und Hans-Joachim Wallenhorst dort zusammen mit ihren Töchtern. Johanna (28) und Lena-Marie (24) sind zur Zeit zum Arbeiten beziehungsweise Studieren in anderen Orten, aber: „Hier in Hohenböken ist unser Lebensmittelpunkt, wie man ihn sich nicht schöner vorstellen kann“, schwärmt Hans-Joachim Wallenhorst. Um diesen schönen Ort zu erhalten, engagiert er sich seit der Gründung des Bürgervereins Hohenböken im Jahr 2001 als Vorsitzender. Was zunächst als Protestbewegung gegen die geplante Bookholzberger Ortsumgehung quer durch Hohenböken begann, ist eine tolle Dorfgemeinschaft geworden, freut sich Hans-Joachim Wallenhorst.

Hans-Joachim Wallenhorst,

Vorsitzender des Bürgervereins Hohenböken
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