Oldenburg - „Aufnehmen, bewerten, handeln! Es ist der Glaube, der entscheidet, ob Sie Huhn oder Adler sind.“ Mit solchen überzogenen Spitzen nimmt der Hamburger Heinz Strunk (53) in der Kulturetage Motivationstrainer wie Jürgen Höller aufs Korn. Strunks 2014 erschienenes Buch „Das Strunk-Prinzip“ besteht aus einer Ansammlung überarbeiteter Kolumnen, die er seit 2012 im Satiremagazin „Titanic“ veröffentlicht hat. Auf dem Cover kopiert Strunk gar eine Pose von Höller.
Vieles gibt es dazuzulernen. So erläutert Strunk etwa, was ein Mensch mit „negativer Inselbegabung“ sei: „Jemand, der vieles schlecht kann, aber etwas besonders schlecht.“ Er hilft aber auch, besser durchs Leben zu kommen. „‚Pro‘ bedeutet ‚für‘. Probleme sind also für und nicht gegen uns gemacht.“ Absurde Beobachtungsbeschreibungen durchziehen seine Ratgeberepisoden. Zudem wird es immer wieder bitterböse; etwa in „Die Landbevölkerung zwischen Traktor und Realität“, worin Strunk das bäuerliche Lebensumfeld klischeehaft als grob und korngetränkt überzeichnet. Das Motto des Bauern laute: „Vögel, die morgens singen, holt abends die Katze.“
Zwischen den Lesungsanteilen performt Strunk, der bürgerlich Mathias Halfpape heißt, Stücke seines aktuellen Albums „Sie nannten ihn Dreirad“. Diese sind allerdings selbst für viele Strunk-Fans recht speziell. Strunks Konzept, über mutmaßlich bewusst an Pop-Electro-Trash der 90er orientierte Playbacks seine Texte zu sprechen, wirkt schnell ermüdend. Dies mag daran liegen, dass er seinen Sprechgesang zu sehr dem Takt-Korsett unterordnet und die Struktur der einzelnen Stücke dadurch zu gleichförmig wird. Immerhin demonstriert er so eine klare Verweigerung gegenüber Kommerz und schlägt sich wacker auf der Querflöte.
Richtig lustig sind Strunks Texte aber, wenn er diese in der ihm eigenen Art frei vorträgt. „Relativ schwache Stellen, die nuschle ich so weg.“ Multimedial geht es auch zu. „Das Auge sieht es, doch das Herz muss es glauben!“, beschwören Strunk und Studio-Braun-Kollege Jacques Palminger in einem eingespielten Video, das herrlich behämmert Werbung für einen vorgeblich krümelfreien Autofahrerkeks macht. Und es werden obskure Archivbilder aus Strunks Leben gezeigt. So etwa von „Tiffanys“, der Tanzband, die durch Strunks biografisch gefärbtes Buch „Fleisch ist mein Gemüse“ legendär wurde.
Als Reminiszenz an seine Tanzmusik-Zeit greift der „Heinzer“ dann auch zum Akkordeon und spielt das „große Roger-Whittaker-Medley“. Zeilen wie „sie hieß Eloisa und kam mir gleich etwas spanisch vor“ oder „ein bisschen Aroma, ein bisschen Paloma“ zieht er mit übertriebener Betonung gekonnt durch den Kakao. Ebenso unterhaltsam grenzdebil seine akustisch vorgetragenen Songs „Alarmstufe Rahmstufe“, „Computerfreak“ und das unverwüstliche „Mariacron“ in der Schellenkranzversion. Das Gesamtpaket Strunk bleibt unterhaltend.
