Von Thomas Hellmold
OLDENBURG - Noch lange nach dem Kriege galt er als das personifizierte schlechte Gewissen des größten Teils seiner Mitmenschen. Der jüdische Rechtsanwalt und Notar Ernst Löwenstein aus Oldenburg war dem Rassenwahn der Nationalsozialisten mit Mühe und Not entkommen. Er überstand die zeitweilige Haft im Konzentrationslager Sachsenhausen und überlebte wohl nur, weil ihn nach seiner Flucht nach Amsterdam ein holländisches Ehepaar bei sich versteckte.
Die Rechtsanwaltskammer Oldenburg und das Osnabrücker Landgericht setzen Löwenstein und anderen von den Nazis verfolgten jüdischen Juristen posthum ein symbolisches Denkmal. In den Räumen des Landgerichts wird in der kommenden Woche die Ausstellung Anwalt ohne Recht eröffnet.
Wie Ernst Löwenstein gelang es auch dem in Elsfleth geborenen Rechtsanwalt und Notar Erich Schiff, dem braunen Terror zu entrinnen. Der Preis, den beide zahlen mussten, ist neben Berufsverbot und Verlust von Ehrenrechten gesundheitlicher Ruin, wie einem die Ausstellung begleitenden Buch (Anwalt ohne Recht Schicksale jüdischer Rechtsanwälte, Isensee Verlag Oldenburg, 16 Euro, herausgegeben von der Rechtsanwaltskammer Oldenburg) zu entnehmen ist.
Und doch müssen Männer wie Löwenstein und Schiff noch als Begünstigte des Schicksals gelten. Sie überlebten. Andere jüdische Anwälte aus dem heutigen Oberlandesgerichtsbezirk Oldenburg nicht. Der Osnabrücker Rechtsberater Adolf Cohen etwa durchlitt zweieinhalb Jahre die Qualen im KZ Sachsenhausen. Dann, im April 1942, wurde er dort im Alter von 44 Jahren von Nazi-Schergen umgebracht.
Und auch Georg Bodenheim, Anwalt aus Melle, zählt zu den Opfern des Regimes. 74-jährig, stürzte er auf der Treppe seines Hauses und zog sich schwere Verletzungen zu. Das Krankenhaus weigerte sich, einen Juden zu behandeln. Wenige Tage später war er tot.
Die Ausstellung führt mit Texten, Bildern und Dokumenten die Biografien der jüdischen Juristen und ihrer Familien in beklemmender Weise vor Augen. Sie wird ergänzt durch drei Vorträge im Juni und Juli.
Informationen auch unter www.rak-oldenburg.de
