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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der falsche Widerstand im autoritären Staat

20.07.2019

Natürlich habe ich auch in der DDR gewusst, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg versucht hatte, Adolf Hitler zu töten. Auch schon als Schüler. Aber kamen er und die Verschwörer vom Juli 1944 wirklich im Unterricht vor? Neben oder wenigstens nach dem planvoll vorgehenden kommunistischen Widerstand und dem sozialdemokratischen, der nur das Manko besaß, sich nicht dem kommunistischen angeschlossen zu haben? Sicher erwähnten die Geschichtslehrer oder der Staatsbürgerkundelehrer das Attentat in zwei, drei Sätzen. Oder bekam ich die ersten Informationen doch aus dem Westfernsehen, das sich in den Sechzigern auch nicht intensiv mit dem Thema antifaschistischer Widerstand beschäftigte? Woher dieses Kleinhalten einer mutigen, ja heldenhaften Tat ? Am überkommenen Namen und Titel eines Grafen kann es nicht gelegen haben, ein anderer Adliger in der DDR, Karl-Eduard von Schnitzler, war Chefkommentator und antiwestlicher Einpeitscher.

Nehmen wir einmal „Meyers Neues von 1971 zur Hand, erschienen im VEB Bibliographischen Institut Leipzig. Zu Stauffenberg ist neben den korrekten Daten vermerkt: „gehörte zum patriotischen Flügel der Verschwörung des 20. Juli gegen Hitler; trat für ein Bündnis der vom Faschismus unterdrückten Kräfte ein.“

Da wollte jemand Graf von Stauffenberg aufwerten und druckte gleich noch ein kleines Bild von ihm ab. Der autoritär durchherrschte DDR-Staatssozialismus beklatschte später die Tat, und misstraute doch jedem Täter, der sich das persönliche Recht auf Tyrannenmord herausnahm. Auch andere Attentatsversuche auf Hitler schafften es nicht in die Schulbücher, über Georg Elser wurde weder geredet noch geforscht. Sie vertrauten denen nicht, die aus einer militärischen Struktur heraus, in der sie moralisch kaum unschuldig bleiben konnten, bis fünf nach zwölf alle Befehle ausführten, um dann den obersten Befehlsgeber töten zu wollen. Menschen, denen Gewissen und persönliche Verantwortung wichtiger waren als ein Eid, waren auch in der DDR suspekt.

Offiziere, die in Stalingrad bis zehn nach Zwölf Befehle ausführten und dann kapitulierten, waren später beherrschbarer. Wie sagte es Stalin 1948 zynisch: es sei jetzt die Zeit „die Trennlinie zwischen ehemaligen Nazis und Nichtnazis aufzuheben“.

In der DDR wurde gar eine Blockpartei für Ex-Nazis gegründet: die NDPD, die ehemalige Offiziere und Vertriebene integrieren sollte. Die Haltung der DDR war also diffus. Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde auf nicht zu präsente Weise gewürdigt, seine Tat sollte nicht zu viele Fragen aufwerfen – die das Ausbrechen aus militärischen Strukturen betrafen oder den Einsatz des eigenen Lebens gegen den Staat – die Antworten hätten für das Regime unangenehm, ja unkalkulierbar ausfallen können.

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