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Porträt Geschichte einer gefragten Frau

Horst Hollmann

Oldenburg - Es zählt zu den Segnungen der digitalen Zeit, dass man überall sein kann, ohne körperlich dort zu sein. Was könnten da etwa Opernhäuser profitieren! Sie schalten auf der Bühne per Bildschirm einfach Sänger vertrackter Partien zu, die sie nicht mit hauseigenen Kräften besetzen können.

Doch Intendant Christian Firmbach hat sich am Staatstheater ganz konservativ für die analoge Variante entschieden. Die Oldenburger haben für die Übernahme der Oper „Cristina, Regina di Svezia“ aus der vorigen Spielzeit Helena Dix für die Titelrolle verpflichtet. Leibhaftig.

Gleichmäßiger Gesang

Die 37 Jahre alte australische Sopranistin hat für ihre Engagements einige Reisen zu absolvieren. Zwischen London, ihrem Wohnsitz seit 14 Jahren, und Oldenburg. Hier singt sie bis zum 1. Dezember viermal die historische schwedische Königin in der Oper von Jacopo Foroni. In Lübeck ist sie für Verdis „Attila” als Gast engagiert. In ihrer Heimatstadt Melbourne wird sie Weihnachten feiern. Weiter geht es nach New York, zu Mozarts „Idomeneo” an der Met. Dort gastiert sie nicht zum ersten Mal.

Schön, dass Helena Dix persönlich in Oldenburg ist. Es ist eine motivierte und motivierende Frau. „Du musst eine Sache, die du machst, lieben!”, sagt sie. Und: „Mache eine Sache richtig, oder mache sie gar nicht!” Was verbissen klingen könnte, verbreitet sie locker, aber ohne Umschweife überzeugend.

Cristina ist eine Partie, in der man mit Haut und Haaren aufgehen muss. Dix schätzt sie in manchen Teilen schwieriger ein als eine Wagner-Rolle. „Klar, zu Wagner brauchst du Kondition und vieles andere, aber der Gesang verläuft gleichmäßiger“, erläutert sie. „Doch Foroni verlangt Tonsprünge auf engstem Raum. Ebenso schlägt die Stimmung abrupt um. Aber die Musik geht zu Herzen.“

Vielleicht war es der technische und emotionale Anspruch, der die Oper 150 Jahre aus dem Repertoire verbannt hatte. 1849 erlebte „Cristina” in Stockholm eine umjubelte Uraufführung. Es folgten andernorts weitere Inszenierungen. Das war es dann aber.

Vor drei Jahren erlebte das Werk beim Festival im englischen Wexford seine Wiedergeburt. Fünf Sängerinnen war die Titelrolle angeboten worden. Vier warfen nach dem Partiturstudium hin. Auch Dix lachte erst: „Das ist ja so schwer, von der Atmung bis zum Kopf, richtig crazy!“ Doch dann ließ sie sich auf die Herausforderung ein. „Foroni muss in Stockholm eine ex­trem gute Sopranistin gehabt haben“, vermutet sie.

Sehr diszipliniert

Von Kind auf hat Helena Dix immer und gern gesungen, eher leichte und populäre Songs. Mit 16 fiel sie bei einem Solo im Chor einer Gesangslehrerin auf. „Du könntest auch Oper”, sagte sie. Ihr Unterricht wurde zu einer harten Schule.

Zweierlei hat sie da gelernt: „Man muss im Leben Herausforderungen annehmen!“ Und: „Opernsänger müssen sehr, sehr diszipliniert sein.“

Später, in einer Wohngemeinschaft in London, hat sie sich morgens zum Üben ins Badezimmer geschlichen, ganz leise gesungen und sich selbst im Spiegel kontrolliert – bis ab und an ein Mitbewohner den Kopf durch die Tür steckte und fragte: „Es geht dir aber gut?“

Natürlich steckt auch bei der Wiederaufnahme die Inszenierung von Michael Sturm den festen Rahmen ab. „Doch in meiner Rolle sehe ich mich nicht als Abziehbild der ersten Cristina”, bekundet Dix. In der vorigen Spielzeit hatte Miriam Clark die Partie gesungen. „Alle haben sehr gut zusammengefunden”, urteilt Dix.

Die Vorstellung am 16. November wird auch für sie eine besonders aufregende. „Meine Mutter in Melbourne ist meine beste Freundin, ich spreche fast jeden Tag mit ihr. Aber sie hat mich nie auf der Opernbühne erlebt, seit ich von zu Hause fort bin”, erzählt sie. „Sie mag London nicht, und sie hasst das Fliegen.“ Doch „Cristina, Regina di Svezia” mit ihrer Tochter in der Titelrolle, das möchte sie in Oldenburg erleben. Persönlich und absolut analog.

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