Schortens - Die Geschichte der katholischen Gemeinde in Roffhausen und die Geschichte der in den letzten Kriegstagen aus den Ostgebieten vertriebenen und 1946 in Roffhausen gestrandeten Menschen ist eng miteinander verwoben. Ohne die vielen überwiegend katholischen Heimatvertriebenen aus dem Kreis Neisse, die in Roffhausen zunächst Zuflucht und im Laufe der Jahre eine Zukunft fanden, hätte es eine katholische Gemeinde in Roffhausen vermutlich nicht gegeben.
„Die Menschen kamen mit nichts“, schreibt Maria Theresia Haschke in ihrem soeben erschienenen Buch „Die katholische Gemeinde St. Josef in Roffhausen“. Auf 80 Seiten schildert sie mit Text und vielen historischen Fotos die 67 Jahre währende Geschichte der katholischen Gemeinde Roffhausen von der Gründung 1946 bis zur Kirchenschließung im November 2013 als Folge des Priestermangels und seit Jahren zurückgehender Katholikenzahlen.
Bei einer Feierstunde mit Pfarrer und Dechant Andreas Bolten von der Pfarrgemeinde St. Willehad in Wilhelmshaven, zu der auch Roffhausen gehört, sowie im Beisein des langjährigen Pfarrers Bernhard Thiel und Verleger Hermann Lüers (Jever) stellte die Autorin ihr Buch jetzt vor 50 Gästen im Gemeindehaus Roffhausen vor.
Als „Erinnerungswerk“ an die ehemalige Gemeinde St. Josef bezeichnete Pfarrer Bolten das Buch, mit dem Maria Theresia Haschke den Menschen einen guten Dienst erwiesen habe. Die Geschichte der Gemeinde sei auch ein großes Stück Geschichte des eigenen Lebens.
Dürftige Quellenlage
Haschke, die in früheren Jahren bereits ein Buch über die katholische Gemeinde in Jever geschrieben hat, hatte eigentlich gar nicht vor, noch ein weiteres Buch über die katholische Gemeinde Roffhausen zu schreiben. Der Anstoß dazu kam letztlich von der ehemaligen Pastorin Doris Semmler von der evangelischen Gemeinde Roffhausen, die mit ihrem Werk „Damit sie hier eine Heimat haben“ die Historie ihrer Gemeinde aufgearbeitet hat. So fragte sich Maria Theresia Haschke, weshalb es kein Buch über die katholische Gemeinde Roffhausen gab – forschte, suchte Bilder und trug Informationen zusammen und schrieb das Buch schließlich selbst.
„Die große Schwierigkeit bestand darin, dass keine Chronik der Gemeinde existierte und nie eine Festschrift erschienen war“, sagt Haschke. Die Quellenlage sei sehr dürftig. Umso bemerkenswerter sei das, was nach langer Recherche nun in Buchform vorliege, freuten sich Bolten wie auch Verleger Lüers.
Das Buch behandelt zum überwiegenden Teil die Geschichte der katholischen Gemeinde St. Josef; Teil 2 und Teil 3 des Buches schildern die Geschichte des katholischen Kindergartens und der katholischen Schule in Roffhausen. „Ich wünsche mir nur, dass meine Arbeit die Geschichte der katholischen Gemeinde vor dem Vergessen bewahrt.“
Noch keine Nachnutzung
Das zumindest droht aktuell nicht. Denn auch ohne Kirche ist das Gemeindeleben der Katholiken in Roffhausen nicht vorbei. Gottesdienste finden seither zweimal monatlich im anliegenden Gemeindehaus statt. „Die Kirchenbänke und eine Josefs-Statue wurden nach St. Bonifatius in Sande überführt“, sagt Bolten. Ein Hausmeister und Mitglieder der Gemeinde schauen in den nun ungenutzten Kirchenräumen gelegentlich nach dem Rechten.
Eine mögliche Nachnutzung der Kirche sei weiterhin nicht in Sicht, sagt Bolten. „Wir hoffen, dass sich jemand meldet.“ In Frage kämen aber nur bestimmte Konzepte, vor allem kulturelle.
