Bockhorn - Sie haben grausame Schicksale erlitten, und heute kennt wohl niemand in Bockhorn mehr die Namen dieser Männer und Frauen, die auf dem Bockhorner Friedhof begraben sind. Doch wer sich die Zeit nimmt, bei den Gräbern der Kriegsgefangenen einen Augenblick zu verweilen, kann ihre Namen auf den Grabsteinen lesen. 26 russische Kriegsgefangene sind auf dem Bockhorner Friedhof bestattet. Direkt nach ihrem Tod aber wurden sie nicht begraben, sondern nur hinter einer Hecke verscharrt. Viele von ihnen sind erschossen worden.

Dass nicht nur die Namen, sondern auch die Geschichten mancher Kriegsgefangener bekannt sind, ist den Heimatforschern Paul Weber und Holger Frerichs zu verdanken.

Als die ersten Kriegsgefangenen 1941 nach Bockhorn ins Lager Kreyenbrok kamen, forderte ein Befehl die Wachmannschaften auf, bei geringsten Zuwiderhandlungen von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Der erste russische Kriegsgefangene wurde noch im August erschossen.

Es gibt einen sogenannten Schnellbrief vom damaligen Reichsminister des Inneren, datiert auf den 27. Oktober 1941, der von der Beerdigung von Kriegsgefangenen handelt. Drüber steht, das Schreiben sei „Zur Veröffentlichung nicht geeignet (auch nicht auszugsweise in der Presse)“. In dem Schreiben steht: „Für die Überführung und Bestattung ist ein Sarg nicht zu fordern. Die Leiche ist mit starkem Papier (möglichst Öl-, Teer oder Asphaltpapier) oder sonst geeignetem Material vollständig einzuhüllen. Die Überführung und Bestattung ist unauffällig durchzuführen. Auf Friedhöfen ist als Begräbnisort ein entlegener Teil zu wählen. Feierlichkeiten und Ausschmückungen der Gräber haben zu unterbleiben.“

Die Kriegsgefangenen sind an Krankheiten und Erschöpfung gestorben, sind erschossen worden oder haben sich selbst das Leben genommen. Danach sind sie verscharrt worden. Die Kriegsgräber sind heute auf dem Friedhof, gepflegt werden sie vom Heimatring, ebenso wie die Gräber der im Krieg gefallenen, die Angehörige der Wehrmacht waren. „Das ist ein Teil unserer Geschichte, die kann man nicht ausblenden“, sagt Paul Weber.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales