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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gewaltiges Ohrenspektakel

13.02.2017

Oldenburg Im neunten Jahr ihrer Existenz könnte es sich die Musikshow „Classic meets Pop“ gemütlich machen. Das Konzept, aufstrebende Poptalente aus der Region mit dem gestandenen Oldenburgischen Staatsorchester vor der großen Kulisse der Oldenburger EWE Arena zusammenzubringen, sorgt immerhin seit dem Jahr 2008 für ausverkaufte Hallen. Und ja, gemütlich machte man es sich an den beiden Abenden dieses Wochenendes vor insgesamt 7000 Zuschauern auch – aber eben nicht nur.

Denn das eigentliche Erfolgsrezept dieser bunten Show lautet nicht nur Vielfalt, sondern auch stete Experimentierfreudigkeit. Der jubilierende Popsänger hat dabei die gleiche Existenzberechtigung wie der einsame Rapper mit breit angelegter Orchesterbegleitung.

Matter Hardrock

Genau: Klassik traf beim 9. „Classic meets Pop“ erstmals auf Rap. Der Oldenburger David Sokowicz (Künstlername „Der Holzfäller“) ging das Wagnis ein, die „Symphony in G-minor, Op.6 No. 6“ von Johann Christian Bach im Stil des 21. Jahrhunderts zu vertonen. Ohne dass der 22-Jährige sich an einem im Rap üblichen lauten Rhythmus orientieren konnte, sprach/sang Sokowicz seinen eigenen Text stolperfrei und sehr gelungen über das schwierige vorklassische Werk.

Ebenso einzigartig wie wegen der riesigen Aufwands kaum wiederholbar war das Experiment, das Sandra Cazzato einging. Die Pop- und Soulsängerin aus Hamburg interpretierte das monumentale Stück „I was born to love you“ von Queen in bester Swing-Manier. Cazzatos Stimme gewann zusammen mit dem Cinemascope-Sound aus Staatsorchester (Leitung Jason Weaver) und Rockband (Leitung Heere Junker) dem Rocksong neue Seiten ab, siedelte ihn im Swing und Jazz der 1930er Jahre an.

Nummer 3 bei „Ungewöhnliches im Show-Establishment“: die Happy German Bagpipers aus Jade/Wesermarsch. Das Quintett, überwiegend mit Mädchen besetzt, begleitete mit seinen schottischen Dudelsäcken die AC/DC-Coverband Bon Scott im Song „Thunderstruck“ – ein bemerkenswert gelungenes Experiment. Erst dank der laut sirrenden Dudelsack-Töne wurde aus dem matten Hardrock der Hamburger ein gewaltiges Ohrenspektakel.

Auch sonst gab es natürlich „Classic meets Pop“-Gewinner. Allen voran: Nina Bernsteiner. Die österreichische Sopranistin zeigte bei der Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte, was Oldenburg an ihr verloren hat. Diesmal als Popdiva aktiv, rockte die Neu-Berlinerin mit großer Stimme und ebensolcher Bühnen-Präsenz die Arena: als Solistin („Power of love“), im Duett mit dem großartigen Markus Sobota („I can I will)“ und im Finale aller Akteure.

Paar der Zukunft

Als Sieger fühlen konnten sich auch „Die Feisten“ alias Mathias Zeh und Rainer Schacht. Ihre ebenso fein gereimten wie brachial komischen Lieder wurden im Rekordzeit Lieblinge des Publikums. Viel Applaus gab es zudem für Sarah Trumpfheller, die dem sinfonischen Metalsong „See who I am“ ein ganz eigenes Gepräge verlieh, sowie den Sängern Alexandra Scherrmann (Sopran) und Tomasz Wija (Bass), die mehrfach bewiesen, wie nahe die große Oper dem großen Pop steht – wenn man richtig gut singen kann.

Solide über die Bühne kamen Popsängerin Irina Rudi und Elvis-Presley-Kopist Andreas Wölbern. Und etwas aus dem Rahmen fielen die Auftritte der Oldenburger Stage Akademie mit einem Udo-Jürgens-Medley sowie die überlangen Schlagzeug-Etüden der „Drei von der Taktstelle“ mit dem Fernseh-Moderator Hugo Egon Balder. Aber solche Dinge verkraftet diese Showreihe, das Publikum ist offen für Überraschungen. Zumal es mit dem neuen Moderatoren-Duo zufrieden war: Die wie üblich überschäumende Annie Heger wurde begleitet (und freundlich geerdet) von Manfred Scholz.

Ein Bühnenpaar für die Zukunft, und die findet schon am 24. Februar 2018 statt in der EWE Arena mit der dann zehnten „Classic meets Pop“-Ausgabe. Das Jubiläum wird angelegt als ein „Best of“ – die Auswahl aus den knapp 200 Auftritten seit 2008 dürfte allerdings schwer fallen.


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