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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Glücksgöttin gibt die Herrschaft ab

14.03.2016

Bremen Vor gut drei Jahren brachte das Oldenburgische Staatstheater eine sehr gelungene, halbszenische Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana” heraus. Orff hat darin Gedichte und Lieder aus einer mittelalterlichen Sammlung verwendet. Sie beschreiben die Schönheiten des Frühlings, Wonne und Leid der Liebe sowie die Freuden kulinarischer Genüsse. Orff hat dazu eine holzschnittartige, vor allem vom Rhythmus des reich eingesetzten Schlagwerks geprägte Musik geschrieben. Auch der Einfluss bayerischer Volksmusik ist deutlich.

In Oldenburg wurden „bayerische Urgewalten“ entfesselt – ein sinnliches Vergnügen. Auch das Bühnenbild mit Maibaumstangen und Alpenpanorama wies auf die Heimat des Komponisten hin.

In Bremen ging man etwas andere Wege. Folkloristisches oder Anspielungen auf das Mittelalter gibt es nicht. Der weitgehend kahle Bühnenraum ist gut ausgeleuchtet, zusätzlich gibt es im Hintergrund ein paar Neonleuchten. Die Kostüme sind in zeitloser, schwarz-weißer Ästhetik gehalten (Ausstattung von Christina Hoenicke). Das Orchester sitzt im Graben, der riesige, 82-köpfige Chor agiert auf der Bühne, und dahinter sind, eine Etage höher, Schlagwerk und Becken postiert.

Caroline Blanck legt in ihrer szenischen Einrichtung, die am Sonnabend im Theater am Goetheplatz Premiere feierte, den Schwerpunkt auf die Bewegung der Chormassen. Es ist eine Art Choreografie, bei der es auch um das Verhältnis von Kollektiv und Individuum geht. Hat jeder die Möglichkeit, sein persönliches Glück zu suchen, oder wird sein Schicksal von der Masse bestimmt? Hat die Göttin Fortuna ihre Herrschaft an die Gemeinschaft abgegeben? Es scheint so, denn in Blancks Interpretation wird das Handeln des Individuums immer wieder von der Masse bestimmt.

Dazu gibt es eindrucksvolle Bewegungsabläufe: Es wird geschritten und gelaufen, es entstehen immer neue Gruppierungen, wobei Männer und Frauen sich oft wie in feindlichen Lagern gegenüberstehen. Es gibt aber auch heitere Spielchen mit Luftballons und Tüchern. Das neckische Liebeswerben scheint jedoch ohne Erfolg zu sein: Das provisorische Brautbett aus zwei Brettern und einem Laken bleibt unbenutzt. Und so packt der Bariton am Ende seinen Eisklumpen, den er anfangs auf die Bühne geschleppt hat, wieder ein. Das Eis ist nicht geschmolzen.

Unter den drei Solisten profilierte sich besonders Bariton Jason Cox mit ausdrucksvoller, viriler Stimmkraft. Auch Nerita Pokvytyté führte ihren leichten Sopran mühelos in zarte Höhenbereiche, während Tenor Martin Nyvall doch einige Höhenprobleme hatte.

Chordirektor Daniel Mayr stand am Pult der Bremer Philharmoniker. Ihm ist eine imposante, rhythmisch mitreißende Wiedergabe gelungen. Im Mittelpunkt standen natürlich die Chöre (Chor und Extrachor sowie Kinderchor), die mit großer Klangpracht und Präzision das Herzstück der Aufführung waren. Das war ein wahrhaftiges Chorfest.


Alle NWZ -Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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