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Friesendamm in Wilhelmshaven gesperrt
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Friesendamm in Wilhelmshaven gesperrt

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Hinter dem Charmeur ein wagemutiger Hasardeur

29.07.2019

Gödens Haltlos stürzt die Musik über zwei Oktaven hinunter aufs C, den tiefsten Ton, den ein Cello produzieren kann, verharrt und schwingt sich wieder empor. Hört gut zu, sagt Isang Enders mit diesen beiden Takten im Prélude der 3. Solosuite C-Dur von Johann Sebastian Bach, das wird hier ein spannender Abend, aber kein gemütlicher!

Viele der Hörer im ausverkauften Barocksaal von Schloss Gödens wissen, was sie erwartet. Deshalb sind sie auch erneut in den Kreis Friesland gekommen, um den Frankfurter im Rahmen des Musikalischen Sommers in Ostfriesland mit dreien dieser sechs Cello-Schlüsselwerke zu erleben (BWV 1007 – 1012).

Nach den Suiten I, II und VI von 2018 stehen diesmal die drei anderen an. Enders spielt sie in der Reihenfolge III (C-Dur), IV (Es-Dur) und V (c-Moll). So führt eine gerade Linie vom Prunkvollen über das Eingetrübte zum kaum auslotbar Tiefgründigen.

Enders mag wie der bescheidene Künstler wirken, der mit Charme für sich einnimmt. Doch der Mann ist nicht nur ein brillanter Virtuose und großartiger musikalischer Erzähler, er ist bei aller äußerlichen Zurückhaltung auch ein Hasardeur. Man kann sich fast die Ohren reiben ob seiner Freiheiten, die er sich herausnimmt, bei den sowieso umstrittenen Bindungen, bei Kürzungen von Viertelpausen. In Läufen fährt er stets andere Geschwindigkeiten. Und so weiter. Immer wagt er sich an die Steilkante.

Doch genau das macht Großartigkeit, Lebhaftigkeit und Faszination seines Denkens und Spiels aus. Enders entwickelt ein klares Bewusstsein für die stilistischen Aspekte. Er setzt seine ordnenden Fixpunkte, zwischen denen er frisch gestalten kann. Er zerfasert die Musik genau nicht mit Mikro-Gliederungen. Verzierungen setzt er sparsam bis gar nicht. Der Hauptstamm bleibt immer als Träger des ganzen Werkes erkennbar. Vielleicht geht Bach derzeit nicht überzeugend moderner.

In der dritten Suite stützt der Solist sich auffällig auf die Orgelpunkte der C-Saite. Er misst den Tonraum aus, misstraut jedoch den Höhenflügen. Die Vierte mag in sich gelassener wirken, aber er betont ihre Kanten, ihre Widerborstigkeit. Im c-Moll-Werk wird die A-Saite um einen Ton tiefer gestimmt. Das zieht noch mal einen Klangschleier vor die dem Optimismus abgewendete Musik. Sie entwickelt sich bei Enders wie eine Orchestermusik voller Trauer und Trost, oft sogar poetisch. In diese musikalischen Tiefen muss niemand furchtsam hinuntersteigen.

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