Edewecht - Das klassische und opulente Werk „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe als Bühnenstück in nur 90 Minuten? Jetzt wissen gut 80 Frauen und Männer, dass das möglich ist. Und, dass das Stück mit insgesamt 57 Rollen von nur zwei Personen verkörpert werden kann. „Fast Faust“ heißt die Komödie von Albert Frank, die in der Aula der Astrid Lindgren-Schule in Edewecht aufgeführt wurde.

Ulrich Matt­haeus und Frank Warneke vom Bremer Tourneetheater verkörpern die Schauspieler André und Heiner, die es sich zusammen mit Hannah (nie da) zur Aufgabe gemacht haben, alle klassischen Dramen des deutschen Theaters mit jeweils nur drei Darstellern zu spielen. An diesem Abend steht nun „Faust“ auf dem Programm. Leider fällt die schwangere Hannah aus, so dass Heiner auch die Rolle des Gretchens übernehmen muss.

Doch nicht nur das Fehlen von Hannah und die Frage, wer der Vater ihres ungeborenen Kindes sein könnte, führen zwischen den Protagonisten zu Spannungen. Auch das Problem, wie die Rollen zu interpretieren sind, kann manches Mal erst mit einem Machtwort gelöst werden.

So erlebten die Zuschauer einen Theaterabend voller Witz, Ironie und Virtualität, wobei die beiden Darsteller es vorzüglich verstanden, das Publikum mit einzubinden, ob als Souffleuse oder als bestellte Jubelmasse.

Das Bremer Tourneetheater hielt sich auf Einladung der Edewechter Kunstfreunde zum ersten Mal in der Gemeinde auf. Der Kontakt entstand „über drei Ecken“, wie Ulrich Matthaeus, Mitbegründer des Bremer Tourneetheaters, erklärte. Eine Frau hatte eine Aufführung in Bremen miterlebt, erzählte es ihrer in Edewecht lebenden Tochter, die wiederum Jack Morin von den Kunstfreunden informierte.

„Der Wechsel zwischen Ernst und Komik, die Beteiligung der Zuschauer, die vielen Ideen: Es war teuflisch gut, aber nicht faustdick. Alle Achtung, wie die beiden Darsteller dieses Stück mit seinen vielen Facetten auf die Bühne gebracht haben“, zog Morin nach der Aufführung ein positives Fazit.