Cloppenburg - Nicht viele Bühnen haben es bislang mit dem großen Faust aufgenommen. Zu tradiert hieß es oft, zu kompliziert, zu unverständlich. Diese Ansichten sind für all jene wohl überholt, die jüngst bei der Schüleraufführung des Theaters Black-Boxx in der Mensa des Alten Finanzamtes in Cloppenburg zu Gast waren.

24 Schüler der Klassen elf bis 13 von der BBS am Museumsdorf gaben mit ihren schauspielerischen Darstellungen diesem bedeutenden Werk der deutschen Literatur einen solchen Schwung, dass die Tragödie inmitten des 21. Jahrhunderts landete. Denn die Tiefgründigkeit zielte unverfälscht und ohne Umschweife auf das Heute ab. Da tobt schickes Volk im Gangnam-Style über die Bühne, Gretchen ergötzt sich im Zalando-Schrei und Mephisto, der Teufel, steht mit Gott per Handy in Kontakt und ist in seiner trunkenen Allmächtigkeit ein gewaltiger Kotzbrocken.

Faust, ein neuerdings recht lüsterner Geselle, sieht in dem unschuldigen Gretchen aus niederem Stand sein Objekt der Begierde. Die Liebschaft der beiden aber endet im Grauen, als Gretchen ihr uneheliches Kind gebärt und tötet. Aus Verzweiflung halb wahnsinnig, landet sie im Kerker, doch Faust kann sie selbst mit Mephistos Hilfe nicht mehr retten, sondern muss sie der Gnade Gottes überlassen.

Selten sind Parallelen zu der Suche nach Identität, nach Hilfestellung und Anlehnung, nach Vorbildern und Anleitungen zum Leben deutlicher geworden als bei der Aufführung von Black-Boxx. Dargestellt von jungen Menschen, die in ihrem Spiel verkörpern, was wir herbei sehnen – gerade vor dem Hintergrund des so aktuell aufbereiteten Klassikers.

Den Darstellern wurde ein fast nicht endenden wollender Applaus spendiert. Ein Lohn für Akteure des Black-Boxx-Schülertheaters, aber auch für den Münchner Regisseurs Hartwig Müller sowie Marion Brelage und Jochen Osterloh.