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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Götter verharren in Rolle gleichgültiger Beobachter

10.10.2016

Bremen Ist es möglich, ein guter Mensch zu sein und trotzdem gut zu leben? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Lehrstück „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht (1898–1956). Eine moderne Inszenierung hat Alize Zandwijk auf die Bühne des Bremer Theaters gebracht. Premiere hatte das Stück am Sonnabend vor ausverkauften Reihen.

Die Kulisse ist imposant. Zandwijk nutzt die Bühne in mehreren Etappen. In Sekunden verwandelt sich ein schlichtes Bühnenbild (Thomas Rupert) in eine riesige Fabrik mit Nähmaschinen. Etwas Farbe ins Spiel bringen die Kostüme (Sabine Snijders). Der geniale Musiker Beppe Costa begleitet das Stück mit Geige, Gitarre und weiteren Instrumenten. Wer in den vorderen Reihen sitzt, sollte wasserfest sein.

Die Regie hält sich dicht an das Original und tut gut daran. In der chinesischen Provinz Sezuan wollen drei Götter (Peter Fasching, Guido Gallmann und Simon Zigah) beweisen, dass es auch gute Menschen auf der Erde gibt. Nur Wasserverkäufer Wang (Martin Baum) kann sie erkennen und sucht eine Bleibe für die Götter. Fündig wird er bei der Prostituierten Shen Te (in einer Doppelrolle: Nadine Geyersbach und Fania Sorel). Als sie den Göttern von ihren Geldsorgen berichtet, zahlen sie so viel für ihr Nachtquartier, dass Shen Te einen Tabakladen eröffnen kann.

Allerdings nimmt das Unheil nun seinen Lauf. Shen Te ist zu gutmütig, kann nicht nein sagen. Sie gewährt immer mehr Leuten Unterschlupf, die sie ausnutzen. Selbst ihr Geliebter, der Pilot ohne Arbeit, Yang Sun (Alexander Swoboda) ist anfangs nur auf Geld aus. Um einen Ausweg zu finden, verkleidet sich Shen Te als rücksichtsloser Vetter Shui Ta (Nadine Geyersbach und Fania Sorel), der das absolute Gegenteil von Shen Te ist.

Die Doppelbesetzung der Hauptrolle verstärkt die Aussagen des Stücks: Kritik an der Gesellschaft, an Gefühlskälte und Gleichgültigkeit. Auch die Götter interessieren sich nicht wirklich für das Schicksal Shen Tes, sie schauen nur zu, lassen sie allein mit ihren Problemen. Nach drei Stunden inklusive einer Pause lässt ein offenes Ende dem Zuschauer Spielraum für Interpretation. Vorhang zu, tosender Applaus.


Alle Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042

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