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Auszeichnung „Goldene Krabbe“ geht an Blinkfüer

Detlef Glückselig

Butjadingen - Musikverrückt sei er schon als Kind gewesen, sagt Hans Hasemann. Als er als Steppke von vielleicht sieben, acht Jahren zu Weihnachten seine erste Quetschkommode bekam, konnte er die Finger nicht mehr lassen von dem Instrument. Viele Jahre später ist der heute 84-Jährige noch immer voller Leidenschaft für die Musik. Seit 65 Jahren gehört er dem Männergesangverein Eintracht Burhave an, der inzwischen vor allem als Shantychor Butjenter Blinkfüer bekannt ist. Er ist der 1. Tenor des Chors, und wenn Not am Mann ist, schwingt er auch gerne noch mal den Taktstock.

Am Freitagabend ist Hans Hasemann im Atrium in Burhave während der Eröffnung der 31. Kunst- und Kulturwochen „Gezeiten“ für seine langjährigen Verdienste um die Musik mit der Ehrennadel der Oldenburgischen Landschaft ausgezeichnet worden. Und damit nicht genug: Der Chor, dem er schon so lange die Treue hält und der in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag feiert, hat den Kunst- und Kulturpreis der Gemeinde erhalten: die „Goldene Krabbe“. Chor-Chef Enno Rennies hatte als einziger Bescheid gewusst, aber eisern dicht gehalten. Und so war es für die anderen Sänger, die dachten, nur für die musikalische Untermalung im Atrium dabei zu sein, eine faustdicke und sehr freudige Überraschung.

Gründung in Sillens

Im Jahr 1906 wurde der Männergesangverein in der späteren Gaststätte Zum Rauchfang in Sillens aus der Taufe gehoben. Die treibende Kraft dabei war Wilhelm Meyer, der dort als Hauptlehrer tätig war und den Chor bis 1908 auch dirigierte.

Es sollten noch einige Jahrzehnte ins Land gehen, ehe Hans Hansemann dazustieß. Als Vertriebener war er aus Westpreußen in die Wesermarsch gekommen und hatte bei Weserflug, heute Premium Aerotec, eine Anstellung gefunden. Sein damaliger Chef Otto Baaske, der zu der Zeit unter Dirigent Paul Lochter als 2. Vorsitzender der MGV fungierte, stellte fest, dass Hans Hasemann gut singen kann. 1951 lotste er ihn in den Männergesangverein.

Hans Hasemann war aus dem Chor schon bald nicht mehr wegzudenken. Im Jahr 1962 wurde er der Vorsitzende, musste den Job allerdings 1970 aufgeben, weil er dienstlich nach Toulouse beordert wurde. Hermann Evers wurde der neue Vorsitzende des Gesangvereins und sollte es für viele Jahre bleiben.

Hans Hasemanns Gastspiel in Toulouse dauert nur wenige Jahre – zum Glück für den Chor. Er kehrte zurück und setzte wieder wichtige Akzente. So war es nicht zuletzt Hans Hasemann, der das Repertoire mehr und mehr in Richtung Shantys und Seemannslieder rückte, weil er merkte, dass es immer schwieriger wurde, für die alten Lieder ein Publikum zu begeistern. So ging der MGV Eintracht ins Butjenter Blinkfüer über – den alten Namen pflegen die Sänger vor allen noch deshalb, um die Tradition nicht abreißen zu lassen.

Spaß beim Karneval

Eine wichtige Rolle spielte der Chor beim Burhaver Karneval, den er ab 1963 in eigener Regie veranstaltete. Und wenn die Narren los waren, dann galt: Wo Hans Hasemann ist, ist vorne. Für jeden Spaß war er schon immer zu haben. So stand der Sänger zum Beispiel beim Karneval 1987 als Tippelbruder auf der Bühne – begleitet von seinem Sohn Detlef am Klavier, der wie seine Geschwister die Musikalität vom Vater geerbt hat.

Mit dem Chor hatte Hans Hasemann, dem beim Singen Präzision besonders wichtig ist, einen der denkwürdigsten Auftritte jenseits des Atlantiks. Vom 31. Oktober bis zum 11. November 1996 ging es für die gesamte Mannschaft nach Texas. Über verwandtschaftliche Kontakte hatte es Chor-Mitglied Heinrich Janssen gemanaget, dass die singenden Butjadingen-Botschafter dort ein Gastspiel geben konnten. Zwei Jahre später stand erneut ein Auslandsauftritt an – in Nordenhams polnischer Partnerstadt Swinemünde.

Etliche Fernsehauftritte kann das Butjenter Blinkfüer ebenfalls verbuchen. Am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist ein Live-Auftritt in Carolin Reibers „Volkstümlicher Hitparade“, die am 17. Februar in München über die Bühne ging.

Da war auch Enno Rennies schon dabei, der dem derzeit 36 Mitglieder starken Chor seit 20 Jahren angehört und seit einem halben Jahr den Vorsitz inne hat. Pro Jahr absolvieren die Shanty-Sänger bis zu 40 Auftritte. „Es macht einfach Spaß“, sagt ein nach der Entgegennahme der „Goldenen Krabbe“ doppelt motivierter Enno Rennies. „Ich würde mir kein anderes Hobby wünschen.“

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